Im ersten Halbjahr 2015 haben Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien vermehrt im Inland verbracht. Ihre Übernachtungszahlen stiegen dank grosser Werbeanstrengungen und attraktiver Angebote. Die Branche kämpft damit gegen die Touristenflaute aus dem Euroraum. Die Übernachtungszahlen in der Schweizer Hotellerie waren gemäss den Zahlen des Bundesamts für Statistik im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich um 0,6 Prozent rückläufig.

Dabei ging die Nachfrage aus dem Ausland um 1,9 Prozent zurück, während die Inlandnachfrage um 0,9 Prozent stieg. Mit 70'000 zusätzlichen Übernachtungen vermochte das die Delle von 179'000 Übernachtungen von Ausländern immerhin etwas zu dämpfen.

Krise in den Euroländern

Der Rückgang bei den Hotelübernachtungen von Ausländerinnen und Ausländern erklärt sich neben der Frankenstärke auch mit der Krise in den Euroländern. Die Touristen von dort schauen sehr auf ihre Ausgaben, wie Philippe Thuner, Präsident des Westschweizer Hotelierverbands, sagt. Erstaunlich ist, dass Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr von der Frankenstärke und den damit attraktiven Preise in der Eurozone profitierten. Die Inländer seien treuer geworden, was die Branche sehr freue, erklärt Véronique Kenel von Schweiz Tourismus.

Neben dieser Standorttreue spielt auch die Solidarität eine Rolle, stellt Barbara Gisi fest, die Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbands. Die Konsumenten hätten wohl erkannt, welche Mühen die Branche mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses hatte.

Als Folge der Frankenaufwertung unternahm die Branche grosse Anstrengungen um Gäste anzuziehen. Das schlug gemäss Gisi auch im Inland ein. Zudem habe das gute Wetter wie immer eine wichtige Rolle gespielt. Das werde immer wichtiger, weil viele Leute ihre Aufenthalte kurz entschlossen buchen würden.

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4 Millionen Franken zusätzlich in Inland-Werbung

Schweiz Tourismus blieb nach der Aufgabe des Mindestkurses nicht untätig. Die Vermarktungsorganisation steckte 4 Millionen Franken zusätzlich in die Inland-Werbung, um so die Verluste im Geschäft mit den Ausländern wettzumachen.

Im Vergleich der Übernachtungszahlen nach Regionen ergab sich für eine Mehrzahl der Westschweizer Destinationen eine Zunahme von inländischen Gästen. Eine Ausnahme bildet der Jura. In der Deutschschweiz und im Tessin waren die Zahlen dagegen rückläufig. Ausnahmen sind die Region um den Vierwaldstättersee und Luzern.

Region Bern strauchelt

Für den Westschweizer Hotelierpräsidenten Thuner sind diese schwachen lokalen und kurzfristigen Unterschiede nicht aussagekräftig. Die Situation müsse über fünf Jahre beobachtet werden. Barbara Gisi ruft in Erinnerung, dass ihr Verband nach dem Frankenschock zur Kreativität aufgerufen habe. Vielleicht sei die Innovation in der Westschweiz besser und schneller gelungen als in den anderen Regionen, gerade etwa mit Familienangeboten.

In der Region Bern sank die Übernachtungszahl seit dem ersten Halbjahr 2013 auf aktuell noch rund 243'000. Dafür gibt es noch keine rechte Erklärung, die Verantwortlichen beobachten aber das Phänomen. Es genüge manchmal, dass es mehr oder weniger Kongresse habe, sagte Harry John, Direktor von BE! Tourismus. Schwankungen seien häufig. So seien die Zahlen zu relativieren.

(sda/gku)