Die Erwartungshaltung von Ökonomen und Analysten über den Verlauf der Schweizer Konjunktur in den kommenden sechs Monaten hat sich im Juni 2012 massiv verschlechtert: Der von der Credit Suisse (CS) und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnete ZEW-Indikator wies im Berichtsmonat einen Wert von -43,4 Punkten auf und liegt damit um 39,4 Einheiten unter den -4 Punkten des Vormonats.

Damit ist der Indikator im Berichtsmonat auf den tiefsten Stand seit Januar gefallen, teilen die CS und das ZEW mit. Deutlich mehr Analysten gingen mittlerweile von einer Verschlechterung der konjunkturellen Situation in den kommenden Monaten aus (47,8 Prozent, +25,8 Prozentpunkte).

Nach Auffassung der Studienautoren spiegelt diese Veränderung die Erwartung einer erheblichen Wachstumsverlangsamung in der zweiten Jahreshälfte wider, nachdem das Wachstum im ersten Quartal stark positiv überrascht habe.

Weiter verbessert habe sich indes die Einschätzung des aktuellen Wirtschaftsumfelds, und zwar auf 19,7 Punkte von 10,0 im Mai. Eine grössere Anzahl von Analysten halte die aktuelle Wirtschaftslage mittlerweile für «gut» (24 Prozent, +4 Prozentpunkte); die Mehrheit schätze sie als «normal» ein (71,7 Prozent).

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Inflationserwartungen gesunken

Das Verhältnis von Analysten, die eine höhere Inflation erwarten, zu denen, die mit einem Rückgang rechnen, ist im Juni um 15,4 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent gesunken. Der sich noch im Mai abzeichnende Anstieg der Inflationserwartungen war scheinbar nur von kurzer Dauer, folgern die Autoren.

15,6 Prozent der Teilnehmer (+7,6 Prozentpunkte) rechnen nun mit einer tieferen Inflation, nur noch 22,2 Prozent (-7,8 Prozentpunkte) gehen von einer steigenden Teuerung aus. Die Mehrheit geht jedoch nach wie vor davon aus, dass die Inflation im nächsten halben Jahr auf dem derzeitigen Niveau verharren wird.

Die kurzfristigen Zinserwartungen sind im Vergleich zum Vormonat weitgehend unverändert geblieben. Demnach geht eine grosse Mehrheit weiterhin von einem unveränderten Niveau aus (95,7 Prozent). Bei den langfristigen Zinsen gingen die Prognosen deutlich stärker auseinander: 35,6 Prozent (-18,5 Prozentpunkte) rechneten mit einem Anstieg, während 44,4 Prozent (+4,8 Prozentpunkte) von einem weiterhin stabilen Niveau und 20 Prozent (+13,7 Prozentpunkte) von einem weiteren Rückgang ausgingen.

Aktienmarktausblick durchwachsen

Bei den Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) hielten die Umfrageteilnehmer mehr oder weniger an ihren Erwartungen vom Mai fest: 55 Prozent (+2,8 Prozentpunkte) der Analysten rechneten mit einem Anstieg des SMI im nächsten halben Jahr, während 20 Prozent an ein weitgehend unverändertes Niveau glauben würden.

Weiter erreichte der Anteil der Analysten, die einen weiterhin stabilen Euro/Franken-Wechselkurs erwarten, mit 77,8 Prozent seinen höchsten Stand seit Beginn der Befragung. Nur wenige Analysten zweifeln an der Fähigkeit der SNB zur Durchsetzung des Euro/Franken -Mindestkurses, heisst es in der Studie.

Auf der anderen Seite sei der Anteil jener, die mit einer Aufwertung des Euros gegenüber dem Franken rechnen, mit 8,9 Prozent auf den tiefsten Stand seit Juni 2009 gefallen. Die Umfrage unter 46 Analysten wurde vom 4. bis 15. Juni 2012 durchgeführt.

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(laf/tno/awp)