Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat seine Konjunkturprognose für das kommende Jahr erneut gesenkt. Die Experten des Bundes rechnen für 2012 noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,5 Prozent.

Im September war das Seco noch von 0,9 Prozent Wachstum ausgegangen. Der schwächere Konjunkturverlauf in der EU sowie der immer noch hoch bewertete Franken belasteten die Schweizer Wirtschaft, teilte das Seco mit.

Im Winter sei für einzelne Quartale sogar eine leicht schrumpfende Wirtschaftsentwicklung denkbar. Trotzdem sei ein «krisenhafter Konjunktureinbruch wie Ende 2008» nicht zu erwarten - zumindest unter der Annahme, dass die europäische Schuldenkrise nicht in eine internationale Bankenkrise münde.

«Entscheidender Moment» für die Volkswirtschaft

Im Herbst habe sich die Konjunktur schon deutlich abgekühlt. Im dritten Quartal nahm das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal nur noch um 0,2 Prozent zu. Das ist der tiefste Wert seit über zwei Jahren. Im vierten Quartal deuten laut Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco, die Indikatoren auf eine weitere Abschwächung hin.

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Die Schweizer Volkswirtschaft befinde sich in einem «entscheidenden Moment», so Parnisar. «Wir können in den kommenden zwölf Monaten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in einzelnen Quartalen nicht ausschliessen.» Im Moment gehe man aber nicht von einem schweren Einbruch aus.

In einem Interview in der «Aargauer Zeitung» vom Samstag hatte bereits Seco-Chefökonom Aymo Brunetti eine Rezession nicht ausgeschlossen. «Über den Winter ist es durchaus denkbar, dass wir zwei negative Quartale erleben werden.» Es sei aber davon auszugehen, dass in der Euro-Zone eine Lösung gefunden werde. Deshalb sei auch in der Schweiz kein tiefer Einbruch zu erwarten.

(laf/rcv/sda)