Die Ökonomen des Bundes haben die Prognosen für die Entwicklung des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) im laufenden Jahr erhöht, für 2013 aber leicht gesenkt. Entscheidende Voraussetzung für eine weiterhin positive Konjunkturentwicklung sei, dass eine Eskalation der Staatsschuldenkrise im Euroraum verhindert werden könne, heisst es in einer Mitteilung des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco).

Für 2012 erwartet die Expertengruppe des Bundes neu ein BIP-Wachstum von 1,4 Prozent, im März war sie noch von +0,8 Prozent ausgegangen. Die deutliche Prognoserevision nach oben für das laufende Jahr erkläre sich dabei praktisch ausschliesslich aus der über Erwarten positiven Entwicklung im Winterhalbjahr und nicht durch eine optimistischere Einschätzung der konjunkturellen Aussichten. Die BIP-Prognose für 2013 lautet neu auf +1,5 Prozent (alt: +1,8 Prozent).

Die Schweizer Wirtschaft behaupte sich dank robuster Binnenkonjunktur und relativ widerstandfähiger Exportwirtschaft besser als dies angesichts des starken Frankens und der rezessiven Wirtschaftslage in vielen EU-Ländern zu erwarten gewesen sei. Für verschiedene Sektoren und viele Exportfirmen bleibe die Situation jedoch angespannt und der Margendruck hoch, heisst es.

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Die Expertengruppe rechnet damit, dass die Konjunkturentwicklung auch im restlichen Verlauf dieses sowie im kommenden Jahr weiterhin durch eine grosse Heterogenität zwischen gut laufenden Binnensektoren (Bau, konsumnahe Bereiche, inlandorientierte Dienstleistungen) auf der einen Seite und unter erhöhtem Anpassungsdruck stehenden Exportsektoren auf der anderen Seite geprägt bleibe.

Robuster Arbeitsmarkt - kaum Inflationsgefahr

Die konjunkturelle Widerstandsfähigkeit zeige sich auch am Arbeitsmarkt, der sich nach wie vor in robuster Verfassung präsentiere, heisst es weiter. Entsprechend wurde die Prognose für die Arbeitslosenquote in den beiden Jahren auf 3,2 Prozent von 3,4 Prozent beziehungsweise auf 3,4 Prozent von 3,7 Prozent gesenkt.

Laut Seco dürfte es aber insbesondere in Wirtschaftsbereichen mit konjunkturellen oder strukturellen Problemen (wie in Teilen der Exportindustrie, im Tourismus, aber auch im Finanzsektor) noch zu weiteren Entlassungen kommen. Kaum geändert hat sich die Inflationsprognose für die beiden Jahre mit unverändert -0,4 Prozent für 2012 bzw. +0,5 Prozent (nach +0,4 Prozent) im nächsten Jahr.

Das zentrale Konjunkturrisiko ist laut den Bundesökonomen die Euro-Schuldenkrise. Die positive Wachstumsprognose für die hiesige Wirtschaft hänge denn auch entscheidend an der Annahme, dass es der Wirtschaftspolitik in Europa gelinge, eine unkontrollierte Ausbreitung zu einer grossflächigen Banken- und Finanzkrise zu verhindern.

Euro-Risiken schwer abschätzbar

Das Risiko für eine grossflächige europäische Bankenkrise sei schwer abzuschätzen, hätte aber potenziell stark negative Effekte auf die Konjunktur, meint man beim Seco. In einem solchen Fall könnte der gesamte Euroraum eine schwere Rezession erleiden, mit deutlich negativen Ausstrahlungseffekten auf den Rest der Welt.

Gerade wegen des potenziellen grossen Schadens einer Eskalation der Schuldenkrise erscheine die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung aber relativ begrenzt, da die Wirtschaftspolitik in der EU mit allen Mittel eine unkontrollierbare Entwicklung der Krise vermeiden wolle.

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Die Expertengruppe des Bundes für die Konjunkturprognosen publiziert viermal pro Jahr eine Prognose der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz.

(tno/rcv/aho/awp)