Der Schweizerische Gewerkschaftsbund verlangt von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eine Untergrenze von 1.40 Franken für den Euro. Eine in seinem Auftrag verfasste Studie geht mit der Notenbank hart ins Gericht: Die Frankenstärke sei auch hausgemacht.

Während Jahren habe die Nationalbank eine Wechselkursuntergrenze implizit durchgesetzt, etwa bei der Deutschen Mark, erklärte der Studienverfasser und Währungsspezialist Michael Bernegger. Das sollte in der aktuellen Situation wieder möglich sein. Die Untergrenze müsste die Nationalbank aber explizit kommunizieren. Auf die Märkte bleibe das nicht ohne Einfluss.

Die Zentralbank habe die Frankenstärke durch die wiederholte Ankündigung einer verschärften Geldpolitik 2010 und die Abkehr von Devisenmarktinterventionen zum Teil selber herbeigeführt. Jetzt müsse sie ihre Geldpolitik modifizieren. Der Wechselkurs Franken/Euro sei zum globalen Hit geworden. Und dieser Hit müsse den Währungsspekulanten verdorben werden.

Administrative Massnahmen

Neben der festen Untergrenze schlägt Bernegger dazu auch administrative Massnahmen vor. So könnten temporäre Negativzinsen vor allem für Guthaben ausländischer Banken bei Schweizer Instituten oder bei der SNB geprüft werden.

Auch könnte die Höhe von Devisenpositionen in Franken beschränkt werden. Die Inflationsgefahr könne die SNB im derzeitigen deflationären Umfeld vergessen, sagte Bernegger.

SGB-Präsident Paul Rechsteiner erklärte, mit betrieblichen Massnahmen sei der Frankenstärke nicht beizukommen. Um die Überbewertung von 20 Prozent abzufangen, müssten etwa die Löhne halbiert werden. Schon jetzt seien die Folgen spürbar. Der Lohndruck sei höher, Arbeitszeiten würden verlängert. Das vergifte das Arbeitsklima.

Auch das Alterkapital geschmälert

SGB-Chefökonom Daniel Lampart sagte, neben den direkten Auswirkungen auf die Betriebe schmälere die Frankenstärke das Alterskapital. Die Pensionskassen müssten Buchverluste von bis zu 50 Milliarden Franken auf ihren Auslandinvestitionen schreiben.

Anzeige

Der starke Franken sei nicht Folge der gut aufgestellten Schweizer Wirtschaft oder der soliden Staatsfinanzen. Das Phänomen sei auf die Spekulation zurückzuführen. Die norwegische Krone - die Währung eines ebenso soliden Staats wie der Schweiz - liege gegenüber dem Euro im langjährigen Mittel.

(laf/vst/sda/awp)