Derzeit steuert die Schweizerische Nationalbank einen Quartalsgewinn an, wie handelszeitung.ch berichtete. Und könnte damit die katastrophale Halbjahresbilanz vergessen lassen, nach der sie 50 Milliarden Franken Verlust gemacht hat.

Doch sollte der Devisenmarkt dem Franken Auftrieb geben und die SNB im Jahr einen Rekordverlust verbuchen, kann das laut Experten die Nationalbank und ihren Kurs erheblich unter Druck setzen. Die Mehrheit der von Bloomberg monatlich befragten Ökonomen – 15 von 23 – ist zwar der Meinung, auch ein dickes Minus würde nichts am SNB-Kurs ändern. Die Gegenpartei ist jedoch auch nicht so klein; eine Befürchtung lautet, dass es durch einen so hohen Verlust für SNB-Chef Thomas Jordan schwerer werden könnte, gegebenenfalls am Markt zu intervenieren.

Unbegrenzte Interventionen sind unglaubwürdig

Die SNB hat den Einlagesatz bereits deutlich unter null gesenkt und Reserven im Milliarden-Franken-Volumen aufgebaut, indem die Franken-Deckelung bis Januar verteidigt wurde. Hinzu kamen seither gelegentliche Interventionen am Markt. Sollten die Verluste wachsen, könnten Investoren in grösserem Umfang Franken kaufen, sollte sie die Feuerkraft der SNB in Frage stellen.

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Der Verlust «schränkt die Glaubwürdigkeit der SNB ein, eine Geldpolitik zu verfolgen, die mit kurzfristigen finanziellen Verlusten in der SNB-Bilanz einhergehen könnte», sagt Chefökonom Karsten Junius von Bank J. Safra Sarasin. «Unbegrenzte Deviseninterventionen sind daher nicht glaubwürdig, da die Märkte dies als nicht nachhaltig betrachten würden.»

Ökonomen sehen nur kleinen Raum für Zinssenkung

Der Umfrage zufolge verfügt die SNB nur noch über begrenzte Mittel, um die Zinsen zu senken, um den Franken in Schach zu halten. Das bedeutet, dass Interventionen wahrscheinlich ihre Bedeutung behalten werden. Die SNB kann ihren Einlagensatz von derzeit minus 0,75 Prozent auf minus 1,25 Prozent bringen, ergab die Befragung unter Ökonomen.

Ein anderer Punkt sind mögliche politische Konsequenzen für Jordan. Die jahrhundertalte Zentralbank ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft, wobei sich das Aktienkapital grösstenteils in den Händen der Kantone und der Kantonalbanken befindet. Eine rechtliche Verpflichtung, für geldpolitische Zwecke einen Gewinn zu erwirtschaften, gibt es zwar nicht, sie braucht aber ein ausreichendes Einkommen für ihre übliche Jahresausschüttung an Bund und Kantone. Da das SNB-Ergebnis in hohem Masse von Preisschwankungen bei Vermögenswerten abhängig ist, bestimmen die Ganzjahreszahlen den Umfang der Ausschüttungen.

Verlust von 21 Milliarden Franken ist bisheriger Rekord

Die SNB hatte 2010 nach Interventionen zur Schwächung der Landeswährung einen Verlust von 21 Milliarden Franken erlitten, was zum damaligen Zeitpunkt ein Rekord war. Das sorgte in der Schweizerischen Volkspartei für Unmut und liess Rufe nach einem Rücktritt des damaligen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand laut werden.

«Aus geldpolitischer Sicht spielt der Verlust keine Rolle», sagt Maxime Botteron, Ökonom von Credit Suisse. «Die SNB kann auch mit negativem Eigenkapital noch arbeiten».

(bloomberg/me)