Im September sanken die Konsumentenpreise in der Schweiz um 1,4 Prozent zum Vorjahr. Im kommenden Jahr drohen in vielen Branchen wie dem Tourismus oder im verarbeitenden Gewerbe Lohn-Nullrunden. Doch obwohl die Teuerungsrate derzeit unter Null liegt, gibt es in der Schweiz nach Einschätzung von Nationalbank-Chef Thomas Jordan nur ein geringes Risiko für eine negative Preis- und Lohnspirale.

Das sagte Jordan an der IWF-Jahrestagung am Samstag in Lima. Sollte der Wechselkurs nicht weiter aufwerten und die Ölpreise nicht weiter sinken, könne die Schweiz Anfang 2017 zu einer Null-Inflation zurückkehren, sagte Jordan weiter.

Preis-Lohn-Spirale

Unter der Preis-Lohn-Spirale wird die Tendenz verstanden, dass sinkende oder steigende Preise zu sinkenden respektive steigenden Löhnen führen und sich diese Entwicklung unter Umständen gegenseitig antreibt. Daraus kann eine spiralenartige Entwicklung entstehen, aus der ein Ausbruch nur schwer möglich ist.

Jordan bekräftigte, dass die Nationalbank, wenn nötig, auch nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze am Devisenmarkt interveniert. Dies sollte zusammen mit dem negativen Leitzins zu einer weiteren Abwertung der Landeswährung beitragen.

«Schwierige Situation» für Schweizer Wirtschaft

In einem Interview mit handelszeitung.ch betonte UBS-Ökonom Dominik Studer in dieser Woche, dass auch die Grossbank keine negative Lohn-Preis-Spirale beobachte. Die langfristigen Inflationserwartungen seien noch immer positiv, dieser Punkt sei für die Nationalbank entscheidend. «Sie wird alles tun, um eine Lohn-Preis-Spirale nach unten zu verhindern und hat in Sachen Gewährleistung der Preisstabilität einen guten 'Track Record'.»

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Gleichzeitig jedoch gebe es bei den Lohnverhandlungen für 2016 vielerorts kaum Spielraum nach oben. «Die Lohne werden zwar nicht auf breiter Front sinken, aber in vielen Branchen sind 2016 Nullrunden zu erwarten», so Studer.

(awp/sda/reu/moh)