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Geld
SNB-Chef Jordan soll laut IWF Yellen und Draghi kopieren

Thomas Jordan: Der Internationale Währungsfonds stärkt der SNB den Rücken. Keystone

Der Währungsfonds plädiert für grosse Wertpapierkäufe durch die Nationalbank – ähnlich den Programmen von EZB und Fed. Der letzte geldpolitische Rat des IWF wurde in der Schweiz schon umgesetzt.

Von Mathias Ohanian
am 23.03.2015

Kaum ein ökonomisches Thema erhitzt die helvetischen Gemüter in diesen Wochen stärker als der geldpolitische Kurs der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Der Franken-Schock ist noch immer das Thema Nummer eins. Für neue Diskussion sorgt nun der jährliche Länderbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Institution legt der Schweiz einen eher ungewöhnlichen Schritt nahe.

In der heute veröffentlichten Analyse plädieren die Wirtschaftsexperten aus Washington für eine weitere Lockerung der Geldpolitik – und dies, obwohl die Zinsen hierzulande schon deutlich im negativen Bereich sind. Mit einem Programm zum Ankauf von Wertpapieren soll die Schweiz nach den Vorstellungen des IWF die sich abkühlende Konjunktur stützen. Die Nationalbank könnte demnach in ausländischer Währung gehaltene und – zu einem geringeren Ausmass – heimische Papiere erstehen, heisst es in dem Bericht.

IWF pessimistischer für die Schweiz als SNB

Die Vorschläge sind bemerkenswert, weil die letzten Empfehlungen der Washingtoner Institution in der Schweiz heute Realität sind. Im vergangenen Jahr legte der IWF der Nationalbank die Einführung negativer Einlagezinsen nahe, sollte der Deflationsdruck in der Schweiz steigen. Nachdem der Ölpreis seit vergangenem Sommer drastisch an Wert verloren und die Gefahr sinkender Preise zugenommen hatte, entschied sich die Nationalbank im Dezember zu diesem Schritt.

Mit Aufgabe des Mindestkurses senkte die SNB die Zinsen für Sichteinlagen im Januar noch tiefer in den negativen Bereich – auf minus 0.75 Prozent. Nun plädiert der IWF einmal mehr für eine Lockerung der Geldpolitik in der Schweiz. Dies könne die kurzfristige wirtschaftliche Abkühlung lindern und die Überbewertung des Frankens mindern, heisst es in der Analyse. Mit Blick auf die Konjunktur ist der Fonds sogar noch etwas pessimistischer als die ohnehin schon vorsichtige SNB: Die Schweizer Wirtschaft dürfte demnach in diesem Jahr um nur rund 0,75 Prozent wachsen, die Inflation bei minus 1,5 Prozent liegen.

IWF bringt Wertpapierkäufe ins Spiel

Dabei bringt der Fonds jedoch nicht eine Verschärfung des Negativzinsumfelds ins Spiel. Eine gelockerte Geldpolitik könnte möglicherweise über ein Programm vorangekündigter Wertpapierkäufe erreicht werden, heisst es in der Analyse. Die negativen Zinsen sollten laut IWF gleichzeitig auf dem heutigen negativen Niveau bleiben, denn dies habe dazu beigetragen, Frankenaufwertung und Deflationsdruck zu verringern.

Dabei formulieren die Washingtoner Experten ihren Vorstoss in bekannter Weise zurückhaltend und diplomatisch. Doch die Stossrichtung ist klar: Die kleine Schweiz soll nach Ansicht der IWF-Experten eine vergleichbare Politik fahren wie die grossen Notenbanken rund um den Globus und die eigene Währung mit Wertpapierkäufen schwächen.

Alle grossen Notenbanken haben massiv interveniert

Seit Anfang Monat tut das die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Bis mindestens September 2016 kauft die Zentralbank der Euro-Zone jeden Monat Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Euro, um die Konjunktur zu stützen und die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts von knapp zwei Prozent zu treiben. Insgesamt hat das Programm einen Umfang von über 1,1 Billionen Euro.

Sogar drei Programme zur quantitativen Lockerung (Englisch: Quantitative Easing, QE) gab es seit der Finanzkrise 2009 in den USA. Und auch die Notenbanker in England und Japan nutzten das ungewöhnliche Instrument der Anleihekäufe in den vergangenen Jahren im grossen Stil, nachdem die Leitzinsen auch in diesen Währungsräumen an der Nullzinsgrenze kratzten und so die konventionelle Geldpolitik am Ende ihrer Möglichkeiten war.

IWF: Bilanz der SNB bleibt auf absehbare Zeit sehr gross

Die Zentralbankbilanz der SNB dürfte nach Analyse des IWF noch für eine «ausgedehnte Zeitspanne» gross bleiben und die marktbewerteten Aktiven starken Schwankungen unterworfen sein. Entsprechend plädierte der Fonds für eine sorgsame Ausschüttungspolitik der SNB, um sicherzustellen, dass das Kapital der Notenbank im Einklang mit den Risiken bleibe.

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