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Halbjahreszahlen
SNB darf auf 1,4 Milliarden aus Negativzinsen hoffen

Schweizerische Nationalbank am Bundesplatz in Bern: Strafzinsen belasten Banken. Keystone

Die SNB hat 2016 bisher über 20 Milliarden Franken Gewinn gemacht. Gestiegen sind auch die Einnahmen aus den Negativzinsen. Sie dürften die letztjährige Marke klar übertreffen.

Von Gabriel Knupfer
am 29.07.2016

Es tönt sehr technisch, hat aber grosse reale Auswirkungen: Banken, die ihr Geld bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) parkieren, müssen auf diese Einlagen Strafzinsen bezahlen, wenn sie einen bestimmten Freibetrag übersteigen. Mit dieser Massnahme will die SNB den Franken als Fluchtwährung unattraktiv machen. Mit einem schönen Nebeneffekt: Die Institute haben bereits 2015 rund 1,2 Milliarden Franken an die SNB bezahlen müssen.

Jetzt deutet sich eine klare Steigerung zum Vorjahr an: Im ersten Halbjahr 2016 hat die SNB 691,9 Millionen Franken aus Negativzinsen eingenommen. Nach 333 Millionen Franken im ersten Quartal, gab es im zweiten Quartal rund 359 Millionen Franken von den Banken. Vorausgesetzt, dass die SNB die Zinsen nicht anrührt, dürften damit bis Ende 2016 «rund 1,4 Milliarden Franken an die SNB fliessen», so Credit-Suisse-Experte Maxime Botteron.

Individuelle Freibeträge

Die Endsumme sei allerdings sehr abhängig von allfälligen Interventionen, betont Botteron. Dennoch dürfte die Summe des Vorjahres klar übertroffen werden. Bezahlen müssen dabei nicht nur Schweizer Institute. Im Giroverzeichnis der SNB sind 294 Finanzmarktteilnehmer aus dem In- und Ausland aufgeführt. Sie alle sind vom Negativzins von 0,75 Prozent betroffen, sobald sie den Freibetrag überschreiten.

Die geschuldeten Negativzinsen nach Banken sind nicht bekannt. «Sie sind auch kaum schätzbar, da die Banken individuelle Freibeträge haben, welche von ihren Mindestreserven abhängig sind», erklärt Botteron. Der Freibetrag entspricht dem 20-fachen jener Summe, die die Banken als Mindestreserve hinterlegen müssen.

Grossbanken stärker betroffen

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Grossbanken UBS und Credit Suisse im laufenden Jahr deutlich mehr Strafzinsen bezahlen als im Vorjahr. Die Daten der SNB zeigten, dass sich die Einlagen, auf die die beiden Institute Strafzinsen zahlen, von Ende 2015 bis Mai verdoppelt hatten. Diese starke Steigerung sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Grossbanken zuvor nur knapp über der Freigrenze gelegen hatten, so Botteron.

Aus den SNB-Daten ist ersichtlich, dass UBS und Credit Suisse zusammengenommen seit Juni 2015 Negativzinsen entrichten. Davor lagen ihre Guthaben innerhalb des Freibetrags. Die Einlagen der beiden Grossbanken werden nicht getrennt ausgewiesen, so dass keine genaueren Rückschlüsse möglich sind.

Negativzinsen für Privatkunden?

Grund für die höheren Einlagen könnte die andauernde Krise in Teilen des europäischen Bankensektors sein. Wegen offener Fragen über den Gesundheitszustand der Konkurrenz parken viele Häuser ihre Barreserven lieber bei der Notenbank als bei anderen Instituten, sagte ein hochrangiger Branchenvertreter gemäss der Nachrichtenagentur SDA.

Schweizer Banken haben bisher davor zurückgeschreckt, die Negativzinsen an ihre Privatkunden weiterzugeben. Im Mai deutete UBS-Chef Sergio Ermotti allerdings an, dass sich das ändern könnte. Falls das Umfeld weiter so bleibe oder sich sogar verschlechtere, erwäge die UBS, Negativzinsen an die reichen Kunden weiterzureichen oder die Gebühren zu erhöhen.

Milliardengewinn nur Momentaufnahme

Die SNB hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von 21,3 Milliarden Franken geschrieben. Das Ergebnis der Nationalbank ist indes, anders als bei einer Geschäftsbank, den starken Schwankungen an den Devisen-, Kapital- und Goldmärkten unterworfen. Deshalb weist sie in ihren Zwischenberichten routinemässig darauf hin, dass «Rückschlüsse auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich» seien.

Insofern ist das Ergebnis des ersten Halbjahrs 2016 höchstens als Trendmeldung im Hinblick auf allfällige Ausschüttungen an Bund und Kantone Ende des Jahres zu betrachten. Der bisherige Rekordgewinn aus dem Jahr 2014 liegt bei 38,3 Milliarden Franken.

(mit Material von SDA)

 

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