SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg sieht die Situation ein gutes halbes Jahr nach der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro weiterhin als anspruchsvoll: «Die Lage bleibt für uns sehr herausfordernd», sagte er in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» (online) vom Freitag. «Nach der Aufgabe des Mindestkurses Mitte Januar hat sich der Franken stark aufgewertet. Die Abschwächung des Frankens in den letzten Wochen geht in die richtige Richtung.»

Auf die Frage, ob die Negativzinsen den Franken genug schwächen würden, antwortete Zurbrügg indirekt: «Mit den Negativzinsen hat sich die Zinsdifferenz zu Ungunsten des Frankens ausgeweitet; das zeigt Wirkung. Der Franken ist aber immer noch stark überbewertet.»

Kosten der Bargeldhaltung nicht eindeutig bestimmbar

Weiter ist für Zurbrügg unklar, wo die untere Grenze für den Negativzins liegt. Denn die Kosten der Bargeldhaltung seien nicht eindeutig bestimmbar. «Obwohl wir mit minus 0,75 Prozent weiter gegangen sind als andere Zentralbanken, stellen wir keine erhöhte Nachfrage nach Bargeld fest.»

Der Zins erziele aber die gewünschte Wirkung und für den Moment gebe es keinen Grund, etwas zu ändern. «Wir beobachten die weiteren Entwicklungen aufmerksam. Wir überlegen uns natürlich, wie weit wir den Zins ohne Auswirkungen auf die Bargeldnachfrage reduzieren könnten», so Zurbrügg.

Extrem langsame Erholung der Weltwirtschaft

Früher oder später werde aber eine Normalisierung bei den Zinsen kommen. Der gegenwärtige Konjunkturaufschwung sei, was das Tempo angehe, im historischen Vergleich ausserordentlich: «Weil sich die Weltwirtschaft so langsam erholt, braucht es für längere Zeit niedrige Zinsen.»

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(awp/gku)