Die Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gegen die Frankenstärke würden ihre Wirkung nicht verfehlen, zeigt sich deren Präsident Philippe Hildebrand überzeugt. Der Markt sagt indes etwas anders: Der Euro ist am Morgen wieder unter die Marke von 1,08 Franken gefallen. Zuletzt war er unmittelbar vor dem Eingreifen der SNB dort gewesen.

Mit einem Tagestief bei 1,0708 bewegt sich der Euro gegenüber dem Franken wieder auf dem Niveau von Rekordtiefständen. SNB-Präsident Hildebrand sagte allerdings in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung», die Notenbank könnte neue Schritte zur Schwächung des Frankens einleiten. «Wir schliessen grundsätzlich keine wirksamen Handlungsoptionen aus», sagte er. Konkretere Informationen gab der SNB-Präsident nicht preis. Er betonte, dass es gegenwärtig «keine einfachen Zauberlösungen» gebe.

Auch der Dollar, für den am Morgen als tiefster Wert 0,7616 Franken gemessen wurden, ist faktisch wieder so tief wie am Mittwoch. Am Freitagnachmittag dürfte dann die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten die Devisenhändler beschäftigen.

Der Entscheid, das Zinsziel zu senken und den Markt mit mehr Franken zu versorgen, sei wegen der schnellen Aufwertung der Schweizer Währung in den letzten Wochen erfolgt, erklärte Hildebrand. Die gegenwärtige Überbewertung des Frankens sei «absurd».

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Andererseits habe auch die schwache Konjunkturentwicklung im Ausland zur Entscheidung beigetragen. «Unsere Schwierigkeiten gründen primär in den Schwächen und Problemen in Europa und den USA», sagte Hildebrand.

Massnahmen mit Risiken

Der Nationalbankpräsident relativierte die potenziellen Nachteile der Intervention. Die Gefahr einer Inflation sei gering. Eher drohe momentan eine Deflation.

Im Bezug auf den Immobilienmarkt räumte Hildebrand ein, dass das Risiko einer Überhitzung bestehe. Es sei wichtiger denn je, dass Alternativen dazu bestünden, den Markt nur über die Zinsen zu steuern. Gleichzeitig müsse ein konjunktureller Absturz verhindert werden, weil ein solcher eine Immobilienblase zum Platzen bringen könne.

Hildebrand verteidigte zudem erneut die Devisenkäufe der SNB. Die Bilanz einer Notenbank sei eben auch dazu da, in Extremsituationen eingesetzt zu werden. Der Spielraum der Notenbank sei dadurch nicht eingeschränkt worden, versicherte er: «Die Nationalbank bleibt trotz den Verlusten handlungsfähig und wird auch künftig Massnahmen treffen können.»

(cms/rcv/sda)