Die Schweizerische Nationalbank (SNB) plant gegenwärtig offenbar keine Ausweitung der Negativzinsen. «Wir sind mit Negativzinsen von minus 0,75 Prozent schon relativ weit gegangen und für den Moment zufrieden mit deren Wirkung», sagte Fritz Zurbrügg, Direktoriumsmitglied der SNB, in einem Interview mit der «Berner Zeitung».

Die Notenbank hatte Negativzinsen im Januar eingeführt, um gegen den starken Franken vorzugehen. Auf die Frage, wie lange die Negativzinsen in Kraft bleiben, sagte Zurbrügg: «Sie bleiben, solange sie geldpolitisch notwendig sind.»

Nicht optimistisch

Die SNB erwartet Zurbrügg zufolge weiterhin eine Abschwächung des Frankens. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass eine Abschwächung des Frankenkurses gegenüber dem Euro stattfinden sollte», sagte Zurbrügg. Der Franken sei nach wie vor sehr hoch bewertet. Das zeigten alle Modelle, welche die SNB verwende. Dabei schaue man nicht nur die Entwicklung des Euro-Franken-Kurses an, sondern betrachte den Wechselkurs im Vergleich zu mehreren Währungen.

Zurbrügg zeigt sich allerdings nicht sehr optimistisch, dass die Abschwächung des Franken bald eintrifft. «Die Erfahrung lehrt uns, dass es unmöglich ist, Aussagen bezüglich des zeitlichen Verlaufs von Wechselkursentwicklungen zu machen, und dass die Kurse lange von diesen Gleichgewichtskursen abweichen können», so Zurbrügg weiter.

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Prognosen zurzeit schwieriger

Auch die Wirtschaftsentwicklung ist laut Zurbrügg im Moment schwierig vorauszusehen. Die SNB-Prognose für das gesamtwirtschaftliche Wachstum besagt, dass sich dieses im ersten Halbjahr klar abschwächen wird. Für das zweite Halbjahr erwarten die Nationalbank dagegen ein erneutes Anziehen des Wachstums und für das Gesamtjahr wurde die Wachstumsprognose Mitte März auf 1 von 2 Prozent reduziert.

«Doch diese Prognosen sind derzeit unsicherer als normalerweise, vor allem deshalb, weil nicht klar ist, wie sich der Wechselkurs entwickeln wird», sagte der künftige SNB-Vize weiter. Eine Unbekannte sei zudem, wie die Industrie auf den starken Franken reagieren werde. «Trotzdem gehen wir davon aus, dass diese Abschwächung nicht in eine Rezession münden wird.»

Keine Deflation wie in den 1930er-Jahren

Auch die Deflationsgefahr ist laut Zurbrügg offenbar nicht allzu gross. Die SNB erwartet zwar für das laufende und das nächste Jahr eine negative Inflationsrate, zumal der starke Rückgang des Erdölpreises seit September zu zusätzlichem Druck auf die Preise geführt habe. «Doch wir sehen derzeit keine Anzeichen für eine Deflationsentwicklung wie es sie in den 1930er-Jahren gab, das heisst mit einer negativen Preisentwicklung über alle Güter hinweg und in einer sich selbstverstärkenden, spiralförmigen Abwärtsbewegung.»

(awp/reuters/tno/hon)