Jean-Pierre Danthine sieht die Gefahr für den Schweizer Immobilienmarkt noch nicht gebannt. Im Gegenteil «Er befindet sich in der Gefahrenzone. Das Risiko einer Korrektur ist gross», sagte er im Interview mit dem «Sonntagsblick». Käufer müssten damit rechnen, dass ihr Eigentum in Zukunft weniger Wert sein könnte. Zudem müssten sie verkraften können, wenn die Zinsen steigen, so der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Dabei sieht der SNB-Vizepräsident nicht nur Risiken für die Hotspots wie Zürich, Genf und Lausanne sondern für die ganze Schweiz. «Denn in einer Krise fallen die Preise nicht nur in den Hotspots sondern überall. Das hat der Crash in den USA deutlich gezeigt.» Von einer Immobilienblase will der ehemalige Wirtschaftsprofessor der Uni Lausanne nicht sprechen, da sie zu schwierig zu definieren sei. Lieber bezeichnet er die momentane Situation als «sich aufbauende Ungleichgewichte auf dem Hypotheken- und Immobilienmarkt». Diese könnten gemäss Danthine bei einem externen Schock eine Krise auslösen.

Banken in «schwieriger Lage»

Dass die Banken trotz den Risiken weiter Hypotheken vergeben, sieht Danthine zwar als Problem, er kann dieses Vorgehen aber nachvollziehen. «Die Banken sind in einer schwierigen Lage: Die Zinsen sind tief, die Margen ebenfalls. Da ist die Versuchung gross, die Volumen zu maximieren.» Die SNB könnte dem entgegenwirken mit der Erhöhung der Zinsen. Dies sei aber kein Thema. Die Aufgabe der SNB sei es die Preisstabilität zu wahren. Auf absehbare Zeit sei das geeignete Mittel, um diese Preisstabilität zu sichern, der Mindestkurs. Wenn die SNB die Zinsen erhöhen würde, könnte der Mindestkurs und damit die Preisstabilität gefährdet werden, sagte Danthine.

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(sda/se)