Noch vor dem Ende des Mindestkurses sind die Schweizer Importpreise so stark gesunken wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren: Die Preise für Waren aus dem Ausland gingen  um 1,7 Prozent zum Vormonat zurück, wie das Bundesamt für Statistik heute meldete. Zuletzt gab es einen so starken Rückgang im Sommer 2011, als der Franken massiv aufwertete (siehe Grafik unten).

Dabei spiegeln sich in den Zahlen für Januar noch nicht die Auswirkungen der starken Frankenaufwertung nach Aufgabe des Mindestkurses wieder, da die Daten jeweils in der ersten Woche des Monats erhoben werden. Erst im kommenden Monat schlagen die Folgen des SNB-Entscheids statistisch zu Buche.

Ölpreis drückt das Preisniveau

Es ist vor allem der starke Abwärtskurs beim Ölpreis, der sich in den Zahlen für Januar zeigt. Die niedrigen Preise für Mineralölprodukte wirkten stark, auch die Einfuhr von Fahrzeugen und Elektronikartikeln war günstiger. Gegenüber dem Vorjahr lag das Preisniveau gar 4,6 Prozent tiefer.

«Die Erdölpreise wirken sich kurzfristig stärker aus als die Folgen des SNB-Entscheides», sagt Yngve Abrahamsen, Ökonom der Konjunkturforschungsstelle Kof der ETH Zürich. Aus diesem Grund erwartet der Experte nun vorerst eine Abmilderung des Preisverfalls. Denn der Ölpreis hat sich zuletzt erholt. Lag der Preis für die US-Sorte Brent Ende Januar noch deutlich unter 50 Dollar pro Barrel, ist er mittlerweile wieder auf gute 63 Dollar angestiegen. 

Preise sinken anhaltend

Auf mittlere Sicht glaubt der Konjunkturforscher aber, dass die Schweizer Preise weiter zurückgehen werden. Abrahamsen rechnet mit einem anhaltenden Abwärtstrend. «Die Auswirkungen des SNB-Entscheids werden die Preise stärker senken, als der Ölpreis sie treibt», sagt Abrahamsen. Schliesslich liegt der Ölpreis auch in der Phase der Erholung noch deutlich unter Vorjahresniveau.

Für den Konsumenten ist dabei wichtig, wie stark der Handel die günstigeren Einkaufspreise dem Konsumenten zugutekommen lässt. Abrahamsen ist hier optimistisch. Er zeigt sich überzeugt:  «Der Handel wird die sinkenden Preise zum Grossteil weitergeben.»

Auf das Ende des Mindestkurses folgt die Rabattschlacht

In den ersten Wochen nach dem SNB-Entscheid war das bereits der Fall. Detailhändler wie Migros, Coop und Discounter Aldi und Denner haben in mehreren Wellen ihre Preise gesenkt, teils um 20 oder 30 Prozent. Vor allem importierte Markenwaren werden günstiger. Migros verkauft zum Beispiel ab Montag den Preis auf alle Produkte von Procter & Gamble – Pampers, Shampoo, Rasierklingen – um 12.5 Prozent günstiger. Auf das Ende des Mindestkurses folgt – bis auf Weiteres – die Rabattschlacht.

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