Der Schweizer Tourismus hat schwierige Jahre hinter sich. Aber nicht der ganze Sektor leidet – in den Städten ist die Zahl der Übernachtungen seit 2001 um mehr als 40 Prozent gestiegen. Auch im letzten Jahr erhöhten sich die Buchungen. Anlass zum Schulterklopfen gibt es dennoch nicht: Denn der Städtetourismus wächst in ganz Europa – und in anderen Metropolen entwickelt sich das Geschäft stärker als in der Schweiz, wie die Wirtschaftsforscher von Bak Economics aufzeigen.

Der «Schweizer Städtetourismus verliert international Marktanteile», schreiben die Wirtschaftsexperten in ihrer Studie. Das ist eine schlechte Botschaft insbesondere für Zürich, wo derzeit Tausende von zusätzlichen Hotelbetten entstehen.

Starker Franken schreckt Touristen ab

Die Forscher verglichen die fünf grossen Schweizer Städte mit zehn anderen europäischen Destinationen. Die Schweizer Vertreter landeten in der Rangliste lediglich auf den hinteren Plätzen – nur Genf schafft es mit Platz neun knapp unter die ersten zehn (die Resultate sehen Sie oben in der Bildergalerie). In der letztjährigen Bak-Studie waren Zürich, Genf, und Bern je zwei Plätze besser platziert. Für Bak Economics ist der Hauptgrund für das schwächere Abschneiden klar: Der starke Franken habe Touristen abgeschreckt.

Den Vergleich hat das Institut anhand dreier Kriterien gemacht: Die Forscher analysierten das Wachstum bei den Buchungen und wie stark die Hotels ausgelastet sind. Zudem verglichen sie den Ertrag, den die Hotels pro Übernachtung erzielten. Insgesamt schnitten die Schweizer Stadthotels unterdurchschnittlich ab. Das beste Resultat schaffte Genf dank einer hohen Etragskraft und einer guten Auslastung. Zürich punktet mit der ebenfalls guten Auslastung und der «soliden» Ertragskraft.

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Auslastung könnte sinken

Ob alle Zürcher Hotels die Ertragskraft halten können, ist allerdings offen. Derzeit entstehen in der Stadt Hunderte neue Hotelbetten, verschiedene ausländische Ketten öffnen Ableger – mit dem «Motel One» erhielt Zürich im September ein neues grösstes Hotel mit 400 Betten. Wegen des wachsendenden Angebots dürften die Preise unter Druck kommen, glaubt der Chef von Zürich Tourismus, Martin Sturzenegger: «Das wird die Preise drücken. Für die Touristen eine gute Nachricht, für die Hotellerie eine Herausforderung», sagte Sturzenegger dem «Tages-Anzeiger».

In der ersten Hälfte dieses Jahr ist zumindest die Auslastung der Zürcher Hotels noch gestiegen, und auch die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich gegenüber der ersten Jahreshälfte 2016 laut dem Bak Economics. Experten von der Credit Suisse rechnen allerdings mit einer sinkenden Auslastung bei günstigen und mittelpreisigen Zürcher Hotels. «Es wird zu einem Verdrängungswettbewerb kommen», sagte Credit-Suisse-Analyst Fabian Hürzeler zu handelszeitung.ch.