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Rezessionsangst
Starker Franken: Industrie verliert 18 Milliarden

Die Frankenaufwertung setzt der Schweizer Industrie stark zu: Umfragen unter Einkäufern deuten auf den grössten monatlichen Einbruch der Industrie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hin.

Von Mathias Ohanian
am 02.02.2015

Die Schweizer Industrie ist im Januar so stark eingebrochen wie zuletzt zum Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008. Das zeigt die monatliche Umfrage unter Einkaufsmanagern. Der Auftragsbestand sank demnach deutlich, Personal wurde abgebaut. Daneben bringt die Erhebung ans Licht, dass der Grossteil der Firmen von der Nationalbank kalt erwischt wurde: Drei Viertel der Unternehmen waren nicht gegen eine Frankenaufwertung abgesichert. Lediglich ein Fünftel nutzte die Möglichkeit, sich über entsprechende Finanzprodukte abzusichern.

Die Umfrage wurde zwischen dem 19. und dem 27. Januar durchgeführt – also Tage nach der Aufgabe der Frankengrenze der SNB am 15. Januar. Die Ergebnisse liefern die erste konkrete Anhaltspunkte über den Zustand der Schweizer Wirtschaft nach dem Nationalbank-Entscheid.

Preisniveau dürfte deutlich sinken, Franken nicht

Mit einem Minus von 5,3 auf 48,2 Punkten liegt der Einkaufsmanagerindex nun deutlich unter der Schwelle von 50 Punkten, die auf gesamtwirtschaftliches Wachstum hindeutet. Der Januar-Rückgang ist der stärkste seit November 2008, also seit dem Höhepunkt der Finanzkrise. Weit nach unten zeigt der Bestand an Neuaufträgen: Der entsprechende Teilindex gab um über 9 Zähler auf 44,2 Punkte nach. 

Alle anderen Subkomponenten des Index gaben ebenfalls nach. Die Unternehmen kauften auch weniger ein und bauten Lagerbestände und Personal ab. Den stärksten Einfluss hat die Frankenaufwertung jedoch auf die Teuerung: Die Einkaufspreise stürzten um 26,7 Punkte auf ein historisches Tief von 21,2 Zähler ab. Demnach dürfte das Preisniveau in der Schweiz deutlich sinken, heisst es in der Mitteilung.

Wechselkursverlust von geschätzt 18 Milliarden

Für die Wirtschaft entscheidend dürfte nun sein, wo sich der Wechselkurs einpendelt. In dieser Frage jedoch sind die Firmenlenker uneins. Während mit 48 Prozent knapp die Hälfte davon ausgeht, dass der Franken innert eines Jahres wieder abwerten wird, plant die knappe Mehrheit der Befragten mit einem Franken-Euro-Kurs nahe der Parität für das kommende Jahr.

Laut Umfrage kaufen Schweizer Unternehmen heute bereits mehr in Euro (45 Prozent) ein als in Franken (42 Prozent). Auf Dollar laufen demnach knapp 10 Prozent der Einkäufe. Kein Unternehmen kaufe ausnahmslos in Franken ein – insofern verfügen die Unternehmen über eine «natürliche» Absicherung, sie profitieren von günstigeren Einkaufspreisen.

Rezession erwartet

Doch die Ersparnisse beim Einkauf könnten die Verluste im Verkauf nicht kompensieren. Hochgerechnet liegen die Verluste allein durch den Wechselkurseffekt bei rund 18 Milliarden Franken (bei einer Frankenaufwertung um 18 Prozent). Laut Meldung entspricht dieser Wert rund 5 Prozent des Produktionswerts der Schweizer Industrie.

Die Umfragen unter Einkaufsmanagern scheinen die zunehmend pessimistischen Wirtschaftsprognosen der Forschungsinstitute zu bestätigen. Die Konjunturforschungsstelle Kof rechnet seit vergangener Woche mit einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes um ein halbes Prozent in diesem Jahr. Vor dem SNB-Entscheid hatte man im Dezember noch ein Plus von fast 2 Prozent veranschlagt.

(mit Material von sda)

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