Wenn drei Ökonomen diskutieren, hat man am Schluss meist vier Meinungen. Nicht so bei einer Veranstaltung der Denkfabrik Avenir Suisse am Donnerstagabend in Zürich. Dort war sich eine hochkarätige Runde zum Thema Frankenstärke und Politik der Nationalbank einig: Die Schweizerische Nationalbank tut zu wenig gegen den starken Franken.

Peter Bernholz, einer der besten Kenner der Währungsgeschichte, Peter Kugler, Professor für Nationalökonomie in Basel, und der Zürcher Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann sprachen sich sehr deutlich für rasche Interventionen der Nationalbank zur Schwächung des Frankens aus. Die bisherigen Massnahmen genügten nicht, die Nationalbank müsse rasch eine Untergrenze zum Euro definieren und mit allen Mitteln verteidigen.

Der Franken sei so stark überbewertet, dass Arbeitsplätze unwiderruflich ins Ausland verschoben würden. Die Schweizer Volkswirtschaft befinde sich in einer «dramatischen Situation», die jetzt ein Handeln erforderlich mache, sagte Bernholz. Die Nationalbank sollte den Märkten klarmachen, dass sie alles unternehmen werde, um den Euro «deutlich über 1.15» zu halten.

Anzeige

Straumann forderte eine Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro. Auch Kugler würde die Grenze bei 1.15 bis 1.20 setzen. Eine feste, dauerhafte Anbindung des Frankens an den Euro und damit die langfristige Aufgabe einer eigenständigen Geldpolitik, wie beispielsweise in Dänemark praktiziert, lehnen die Ökonomen für die Schweiz jedoch ab.

Erhöhung der Giroguthaben und Devisenswaps wirken nur langsam

Dass diese Politik in zwei bis drei Jahren inflationäre Wirkungen haben wird, nehmen die drei Ökonomen in Kauf. «Das ist natürlich eine Gratwanderung für die Nationalbank», sagte Bernholz, aber etwas Inflation sei wesentlich besser als die Alternative: «eine Depression in der Schweiz».

Die drei Ökonomen waren sich auch einig, dass das Zögern der Nationalbank eine Intervention immer schwieriger und teurer mache. Wenn die Nationalbank weiter zuwarte, würden die Zweifel an ihrem Willen und ihrer Durchsetzungskraft im Markt immer grösser. Die bisherigen Massnahmen - die Ausweitung der Geldmenge durch die Erhöhung der Giroguthaben der Banken und die Durchführung von Devisenswaps -  wirkten nur langsam und eher langfristig.

Nur das entschlossene Eingreifen am Devisenmarkt durch den Kauf von Dollar- und Euroanleihen gebe den alles entscheidenden Erwartungen der Marktteilnehmer genügend klare Orientierung, so dass die spekulative Überbewertung des Frankens rasch abgebaut werden könne.

(tno/laf)