Das US-Sicherheitsinstitut Stratfor ist von Hackern bestohlen worden: Von einem Angriff der Gruppe Anonymous und rund 90'000 entwendeten Kreditkartendaten war am Montag die Rede. Seitdem sind viele Fragen aufgetaucht. Ob tatsächlich Anonymous-Mitglieder hinter der Attacke stecken, ist nicht bestätigt.

Während über die Täter Unklarheit herrscht, werden nun allerdings Details über die Opfer bekannt: Wie das Schweizer Radio DRS berichtete, sollen auch Hunderte Schweizer von dem Datendiebstahl betroffen sein. Der Sender beruft sich dabei auf eine Datei mit Kreditkarten-Nummern und Adressen, die Radio DRS sowie der Nachtichenagentur sda vorliegt. Die Daten stammen demnach aus dem Kundenstamm von Stratfor.

Vor allem Personen in sensiblen Positionen sind laut DRS betroffen: Angstellte von Schweizer Botschaften, Kadermitarbeiter bei Unternehmen oder Führungsfunktionen bei der Armee. «Die Spur zieht sich durch quer durch Unternehmen, Medienanstalten und Bundesbehörden», heisst es auf «drs.ch». «Von Kadern der Schweizer Grossbank UBS über Mitarbeiter von Schweizer Privatbanken wie Julius Bär, hin zu Angestellten von globalen Playern wie Nestlé oder ABB.»

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Betroffen sind demnach ausserdem Kader-Mitarbeiter in Bundesämtern wie etwa dem Verteidigungsdepartement (VBS) oder dem Aussendepartement (EDA).

Auch Journalisten auf der Liste

Stratfor bietet seinen Kunden Analysen zu aktuellen geopolitischen Sicherheitsfragen wie Terrorismus, politische Umwälzungen oder Machtwechsel in einzelnen Ländern. Dem Unternehmen werden enge Kontakte zum US-Geheimdienst CIA nachgesagt.

Da Stratfor in einer Art kostenpflichtigem Newsletter auch Informationen rund um den arabischen Frühling in Nordafrika geliefert habe, fänden sich betroffene Kunden auch in Medienunternehmen, so etwa im Auslandressort der «Neuen Zürcher Zeitung», beim «Blick», beim Schweizer Fernsehen oder auch bei Schweizer Radio DRS.

Departements prüfen und warnen

«Stichproben zeigen, dass etwa ein Drittel der Daten aktuell und deren Kreditkartennummern gültig sind», heisst es auf «drs.ch». «Einsehbar sind nebst der Kartennummer auch der Sicherheitscode der Karte, die Telefonnummer oder die private Adresse.» Stratfor habe zwar einen Teil der Kunden per E-Mail informiert, allerdings nicht alle.

Beim Verteidigungs- und Aussendepartement ist man offenbar alarmiert. «Gemäss dem aktuellen Kenntnisstand haben einzelne Mitarbeitende zu Informations- und Dokumentationszwecken punktuell die Dienstleistungen der Firma Stratfor in Anspruch genommen», zitiert «drs.ch» das EDA. «Die vom Datendiebstahl betroffenen Mitarbeitenden werden raschmöglichst informiert und die zur Bezahlung verwendeten Kreditkarten gesperrt.»

Beim VBS kläre man zurzeit ab, inwiefern das Departement betroffen sei.

(tno/rcv)