Um etwa 14:55 Uhr ging gar nichts mehr: Im Büro der «Handelszeitung» an der Hardturmstrasse in Zürich fiel das Licht aus, die Computerbildschirme wurden schwarz und die Lifte blieben stecken. Ähnlich sah es wohl in Hunderten Büros aus.

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) bestätigte: Teile von Zürich-West sowie dem Quartier Höngg waren ohne Strom, nachdem ein Kurzschluss im Unterwerk Herdern die Zufuhr unterbrochen hatte.

Um 18 Uhr konnten laut EWZ-Sprecherin Esther Rutz rund 50 Prozent der Haushalte und Büros wieder mit Strom versorgt werden. Um 18:45 Uhr wurde auch der ebenfalls betroffene Prime Tower wieder ans Netz angeschlossen. Auch die Tram- und Trolleybusse verkehrten wieder normal.

«Massive Rauchentwicklung»

Der Auslöser für den Stromausfall: Bei einem Zwischenfall mit einer Maschine auf einer Baustelle im Kreis 5 sei ein Elektrokabel beschädigt worden, wie Rutz auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Daraufhin kam es im Unterwerk Herdern zu einem Kurzschluss.

Dieser führte in dem Werk nahe der Duttweilerbrücke zu «massiver Rauchentwicklung», wie die Polizei vor Ort «Handelszeitung Online» bestätigte. Die Feuerwehr musste das verrauchte Unterwerk entlüften, sagte Roland Portmann von Schutz & Rettung im Gespräch mit SDA.

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Den Folgeschaden im Unterwerk könne man sich nicht erklären, sagte Rutz. Die Anlage sei erst fünf Jahre in Betrieb. In den nächsten Tagen werde nun mit dem Lieferanten abgeklärt, wie es zum Kurzschluss kommen konnte.

Löschen musste die Feuerwehr derweil nichts. Die Feuerwehrmänner, die teils mit Blaulicht auf den Autos durchs Quartier fuhren, befreiten vor allem in Liften steckengebliebene Menschen. Die Polizei regelte derweil an etlichen Kreuzungen den Verkehr, weil die Ampeln ausgefallen waren.

Prime Tower evakuiert

Unterbrochen war auch der Trambetrieb der Linie 13 vom Escher-Wyss-Platz bis nach Höngg sowie die Trolleybus-Linie 46. Betroffen vom Stromausfall waren insgesamt rund 3600 EWZ-Kunden in Zürich-West und Höngg, sagte Rutz. Auch der Betrieb im Prime Tower, dem höchsten Gebäude der Schweiz, wurde lahmgelegt.

Der stellvertretende Sicherheitsbeauftragte des Prime Tower, Mathias Knellwolf, sagte dem «Tagesanzeiger», dass das gesamte Hochhaus aus Sicherheitsgründen evakuiert werden musste. Es dauerte demnach rund 20 Minuten, bis alle 2000 Menschen das Gebäude verlassen hatten. «Die meisten haben das Szenario schon einmal geübt. Es war also nicht das erste Mal für sie, dass sie die 36 Etagen des Towers über die vorgegebenen Fluchtwege verlassen mussten», so Knellwolf.

Auch die Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ), direkt hinter dem Unterwerk Herdern, war betroffen: Ein Notstromaggregat versorgte zwar die Server, aber offenbar nicht die Kühlung. So musste die Feuerwehr durch Fenster für Luftkühlung sorgen.

Auch Störung bei der Swisscom

Bei der Six Group, die zahlreiche Dienste an der Hardturmstrasse angesiedelt hat, gab Mediensprecher Bernhard Wenger schon kurz nach dem Stromausfall Entwarnung: Aktuell sei nur ein Nebengebäude vom Stromausfall betroffen – der Six-Zahlungsverkehr läuft über Olten.

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Die Swisscom meldete eine Störung der Mobile-Services in Teilen von Zürich-West. Da in den betroffenen Quartieren viele Firmen angesiedelt sind, traten etliche Mitarbeitende frühzeitige den Heimweg an.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA