Sturm «Joachim» tobt durch die Schweiz. Im Jura und in den Alpen haben die Winde ihre Spitzen erreicht, wie Roland Mühlebach von Meteoschweiz erklärte. Sie blieben aber bis am Abend stark und nähmen erst in der Nacht auf Samstag ab. Über den Chasseral wehten Böen von 151 km/h.

Verletzt wurde ein 36-jähriger Lastwagenfahrer auf der Strasse von Diegten nach Hölstein im Oberbaselbiet, als sein Lastwagen samt Anhänger von einer Windböe erfasst wurde und umkippte. Der Anhänger war schon zuvor umgekippt, wurde von einer Abschleppfirma aber wieder aufgestellt. Auf der Weiterfahrt erfasste dann eine weitere Böe den gesamten Lastenzug.

Leicht verletzt und unterkühlt wurde zudem ein 65-jähriger Mann im Bootshafen von Augst BL am Rhein. Er wollte an einem Boot eine weggerissene Abdeckplane festmachen, stürzte aber ins Hafenbecken. Ein Bekannter konnte ihm eine Leiter reichen. Der Mann wurde ebenfalls ins Spital gebracht.

Evakuiert wegen Einsturzgefahr

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Bei einer Zugsentgleisung im Berner Jura wurden vier Personen leicht verletzt. Der Zug, der frühmorgens Tavannes verlassen hatte, war mit 70 km/h unterwegs, als eine Tanne auf die Geleise der Chemins de fer du Jura fiel. Ein Teil des Zuges entgleiste. Mehrere Reisende erlitten einen leichten Schock. 

Bewohner eines Wohnhauses im jurassischen Courrendlin nahe Delsberg mussten wegen Einsturzgefahr evakuiert werden. Der Sturm hatte einen Teil des Daches weggerissen.

Der Kantonale Krisenstab Basel-Landschaft hatte bereits am Donnerstag eine Sturmwarnung mit Verhaltensempfehlungen für seine Bürgerinnen und Bürger herausgegeben. An verschiedenen Orten des Kantons führten heruntergestürzte Äste und Bäume sowie Teile von Dächern zu Verkehrsbehinderungen, wie Baselbieter Kantonspolizei mitteilte.

Öffentlicher Verkehr eingestellt

Die Schifffahrtsgesellschaft CGN stellte den Verkehr seiner Kursschiffe auf dem Genfersee ein. Im Berner Oberland bleiben die Strecken zwischen Grindelwald und der Kleinen Scheidegg und zwischen Wengen und dem Jungfraujoch wegen Sturmwinden gesperrt

Verantwortlich dafür ist jedoch nicht der Sturm «Joachim», sondern ein Föhnsturm, der sich wegen der kommenden Kaltfront entwickelt hat, wie Mühlebach erklärte. Auf dem Jungfraujoch hat die Jungfraubahn Windspitzen von bis zu 180 km/h gemessen.

Wegen Lawingengefahr nach starken Schneefällen stellt die BLS am Freitag um 14 Uhr den Autoverlad am Lötschberg zwischen Kandersteg BE und Goppenstein VS ein. Das Bahnunternehmen richtet aber einen Not-Autoverlad zwischen Kandersteg und Brig ein.

Auch Flugbetrieb betroffen

Auf den Flugbetrieb in Bern-Belp hat sich der Sturm bislang noch nicht ausgewirkt, wie Flughafensprecher Daniel Steffen auf Anfrage sagte. Am Flughafen Zürich sind dagegen 119 Flüge annuliert worden. 60 Abflüge wurden gestrichen, 59 ankommende Flüge blieben aus, wie Flughafensprecher Marc Rauch am Abend präzisierte.

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In schwerem Sturm vor der Küste der französischen Bretagne war zuvor bereits der unter Malta-Flagge fahrende Frachter «TK Bremen» gestrandet. Wegen austretenden Öls lösten die Behörden nach Angaben vom Freitag Umweltalarm aus und setzten den Rettungsplan «Polmar» in Kraft.

Demnach bildete sich auf einer Fläche von einem mal fünf Kilometer bereits ein Ölteppich, der sich auf das Festland zubewege. Den Angaben zufolge ist der Frachter mit 180 Tonnen Heizöl und 40 Tonnen Diesel beladen. Nun sollen die Tanks des Schiffes ausgepumpt werden, wie Michel Gayda vom Küstenschutz erklärte. Die 19-köpfige Besatzung des 109 Meter langen Schiffes sei per Helikopter in Sicherheit gebracht worden.

Das Schiff war am Donnerstag aus dem Hafen von Lorient ausgelaufen, um nördlich der Insel Groix vor der Weiterfahrt nach Grossbritannien auf bessere Wetterbedingungen zu warten. Nach Angaben der zuständigen Präfektur in Brest war der Frachter mit Ausnahme der 220 Tonnen Treibstoff weitgehend leer.

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«Joachim» schaltet der Bretagne den Strom ab

«Joachim» war in der Nacht auf Freitag über die französische Küste mit Orkanböen der Stärke zwölf gezogen. In Westfrankreich fiel nach Angaben des Nachrichtensenders in rund 220'000 Haushalten der Strom aus, davon 100'000 in der Bretagne.

Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 133 km/h knickten zudem zahlreiche Bäume um. Allein in den Departements Finistére und Morbihan sei die Feuerwehr zu mehr als 300 Einsätzen ausgerückt.

Der Bahnverkehr in der Region kam weitgehend zum Erliegen. Beeinträchtigungen wurden auch auf der Luftverkehrs-Drehscheibe in Paris erwartet, wo der Andrang der Reisenden im Vorfeld des Weihnachtsfestes gross ist.

(tno/vst/laf/sda)