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Teuerung im Gesundheitswesen flacht ab

Patient Gesundheitswesen: Noch nicht genesen, aber auf dem Weg der Besserung (Bild: Keystone)

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Gesundheitskosten in der Schweiz werden weiter steigen. Die gute Nachricht dabei: Sie steigen gemäss KOF-Prognosen nicht mehr so stark wie im Durchschnitt der letzt

Veröffentlicht am 16.05.2011

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) rechnet im laufenden und im nächsten Jahr mit einer Steigerung der Gesundheitskosten von jeweils 3,4 Prozent. Damit hat sie ihre Prognosen vom letzten Herbst korrigiert, für dieses Jahr nach unten, für nächstes nach oben. Zuvor war die KOF noch von einer Kostensteigerung von 3,7 Prozent für 2011 und von 3,0 Prozent für 2012 ausgegangen.

Als Hauptgründe für die Korrekturen nennt die Forschungsstelle die Lohnentwicklung und die Sparmassnahmen. Laut Institutsleiter Jan-Egbert Sturm überwiegen im laufenden Jahr die Sparmassnahmen den Effekt der Lohnentwicklung, umgekehrt überwiege 2012 der Effekt des höheren Lohnwachstums.

Nachdem die Löhne 2008 überdurchschnittlich gestiegen waren, betrug das Lohnwachstum im vergangenen Jahr lediglich 0,8 Prozent. Für 2011 und 2012 erwartet die KOF wegen der starken konjunkturellen Entwicklung wieder leicht höhere Wachstumsraten von jeweils einem Prozent.

Für die die Ausgabenentwicklung im Gesundheitswesen seien die Löhne ein wichtiger Faktor, betonte Sturm. Rund eine halbe Million Menschen sei mittlerweile im Gesundheitswesen beschäftigt.

Tiefere Medikamentenpreise dämpfen Ausgaben

Nebst dem moderaten Wachstum der Löhne wirkten sich auch tiefere Medikamentenpreise dämpfend auf die Gesundheitskosten aus, sagte Sturm weiter. Die im März 2010 in Kraft getretenen Preissenkungen bei Medikamenten führten zu jährlichen Einsparungen von 400 Millionen Franken.

Durch weitere vom Bund beschlossene Sparmassnahmen in diesem Bereich könnten im laufenden Jahr zusätzlich 50 Millionen und im nächsten Jahr 110 Millionen Franken eingespart werden. Entlastet würden die Gesundheitsausgaben zudem durch die Tarifsenkung bei Laboranalysen und Einschränkungen bei Vermittlung und Telefonmarketing der Krankenversicherungen.

Die Bedeutung des Gesundheitswesens nehme immer weiter zu, stellte Sturm fest. Dies zeigt sich am stetig wachsenden Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandprodukt (BIP). Für 2011 prognostiziert die KOF diesen Anteil auf 1,4 Prozent, für 2012 auf 1,5 Prozent.

Den neuen Entwicklungen angepasst

Eingeflossen in die KOF-Frühjahrsprognose sind zwei Massnahmen, die Verschiebungen in der Finanzierung der Gesundheitsausgaben zur Folge haben. Zum einen wurde auf Anfang Jahr der Spitalbeitrag für Erwachsene erhöht, was laut Sturm eine Verschiebung von geschätzten 115 Millionen Franken von der obligatorischen Krankenversicherung zu den privaten Haushalten führt.

Zum andern wurde die Verschiebung berücksichtig, die sich durch die Einführung der neuen Spitalfinanzierung ab 2012 zwischen den Privatversicherungen und der obligatorischen Krankenversicherung sowie den Kantonen ergibt.

Die KOF stützt sich dabei auf die Gesundheitsdirektorenkonferenz. Diese geht davon aus, dass mit der neuen Spitalfinanzierung die Privatversicherungen um 1,6 Milliarden Franken auf Kosten der Kantone und den Grundversicherungen entlastet werden. Diese Schätzung sei allerdings höchst umstritten, hielt Sturm fest.

(cms/sda)

 

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