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Treibt der Ölpreissturz die Schweiz in die Deflation?

Thomas Jordan: Die SNB könnte ihre Inflationsprognose einmal mehr senken. Keystone

Der heftige Preissturz beim Öl bringt die Nationalbank in Not. Sie muss am Donnerstag aller Voraussicht nach ihre Inflationsprognose nach unten korrigieren: 2015 könnten die Konsumentenpreise sinken.

Von Mathias Ohanian
am 09.12.2014

Nachdem es bei der Gold-Initiative für die Schweizerische Nationalbank gut ausging, steckt sie kurz vor Weihnachten wieder mitten im Kerngeschäft. Und das hat es in sich: Um rund 40 Prozent ist der Preis für Rohöl seit Beginn des Sommers eingebrochen. Das drückt die Konsumentenpreise und hat zur Folge, dass die SNB ihren Ausblick nun womöglich klar nach unten korrigieren muss. «Wir können uns gut vorstellen, dass die Inflationsprognose für 2015 leicht in die negative Zone rutscht», sagt Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen Schweiz.

Eine Prognosekorrektur nach unten wäre für die SNB keineswegs ungewöhnlich. Auf jeder ihrer vierteljährlichen Sitzungen senkte sie seit vergangenem Dezember ihre Inflationsvorhersage für 2015: Von seinerzeit 0,6 Prozent auf nurmehr 0,2 Prozent. Das Problem nur: Der heftige Preissturz bei Rohöl in den vergangenen Monaten ist geradezu beispiellos – und schlägt sich in diesen Monaten direkt auf die Schweizer Preise nieder, die bereits vorher kaum mehr steigen oder gar sanken.

SNB setzte Ölpreis zuletzt bei über 100 Dollar an

Zu beobachten war dies zuletzt im November: Vor allem aufgrund stark gesunkener Kosten für Benzin und Heizöl rutschten die Schweizer Konsumentenpreise erstmals wieder in den negativen Bereich und lagen 0,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau, wie das Bundesamt für Statistik gestern meldete.

Welche Kapriolen der Ölpreis in den kommenden Monaten noch schlagen wird, ist kaum vorherzusehen. Fakt jedoch ist, dass der jüngste Rückgang auf rund 65 Dollar pro Fass die Notenbanker in die Bredouille bringt. Denn ihre letzte Inflationsprognose vom September basierte auf einer Preisannahme von 103 Dollar pro Fass Rohöl. Davon ist man nun meilenweit entfernt. Der Preis liegt derzeit bei rund 70 Dollar. «Deshalb dürfte die SNB für nächstes Jahr nun eine zumindest leicht negative Teuerung in der Schweiz prognostizieren», erwartet auch Manuel Andersch, Ökonom bei der Bayern LB.

SNB prognostizierte schon früher negative Preise und reagierte nicht

Damit wäre das Thema Deflation in der Schweiz wieder weit oben auf der Agenda der SNB. Davor warnte in den vergangenen Wochen verstärkt auch Präsident Thomas Jordan. «Die Gefahr von Deflation ist konkret und akut», befürchtet auch so mancher Finanzmarktinvestor.

Was bedeutet dies für die Geldpolitik der SNB? Kaum ein Experte glaubt, dass Jordans Mannschaft sich nun automatisch gegen eine drohende importierte Deflation stemmen wird. «Schliesslich prognostizierte die SNB sowohl Ende 2011 als auch 2012 jeweils eine negative Teuerung für das darauffolgende Jahr, ohne dass dies die SNB zu einer zusätzlichen Lockerung veranlasst hätte», sagt Andersch.

Binnenkonjunktur gesund, keine Zweitrundeneffekte in Sicht

Daneben ist der geldpolitische Horizont der SNB nicht auf ein Jahr beschränkt, sondern liegt eher bei zwei bis drei Jahren. Und so schnell die Ölpreise in den vergangenen Monaten sanken, so schnell könnten sie sich wieder bald auf einem höheren Niveau einpendeln. Ohnehin scheint eine allzu flinke Reaktion seitens der SNB nur wenig sinnvoll: Denn die Binnenkonjunktur in der Schweiz ist gesund, die sinkenden Preise scheinen nicht schädlich. Zumal auch keine Zweitrundeneffekte über fallende Löhne drohen.

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