In Griechenland hat die Schweizer Uhrenindustrie seit Anfang Jahr ein Viertel mehr umgesetzt – im Vergleich zu 2013 gab es im südeuropäischen Land sogar ein Plus von 40 Prozent.  Für die guten Zahlen mitten in der Wirtschaftskrise gibt es eine einfache Erklärung – der Tourismus floriert,  es leisten sich wohl vor allem Ausländer die teuren Stücke. Gut möglich, dass aber auch Griechen selbst Schweizer Uhren als wertstabile Investition zunehmend für sich entdecken.

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Die Wirtschaft des südeuropäischen Krisenlandes steckt seit bald sieben Jahren in der Rezession. Das Bruttoinlandprodukt ist um rund ein Viertel gesunken. Zwar gab es 2014 wieder leichte Erholungssignale, doch mit dem neu aufgeflammten Schuldenstreit mit Brüssel ist das Vertrauen in der Realwirtschaft zuletzt wieder gesunken.

Teure Stücke sind nicht gefragt

Auch in Italien verkaufen sich Schweizer Uhren besser. Im Mai stieg der Absatz um 4,5 Prozent zum Vorjahr. Grund ist unter anderem die Weltausstellung in Mailand, glaubt der Verband der Uhrenindustrie (FH): «Es hat mehr Touristen», sagt Sprecher Jean-Daniel Pasche. Andere wichtige europäische Märkte entwickeln sich ebenfalls gut.

Trotzdem: Insgesamt sanken die Uhrenexporte im Mai um rund 9 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken. Vor allem teure Uhren ab 3000 Franken verkauften sich schlechter. Wenn berücksichtigt wird, dass es heuer zwei Verkaufstage weniger gab, resultierte ein Plus von 1 Prozent. Bilanz seit Anfang Jahr: minus 0,3 Prozent.

Sprecher Pasche sieht die Branche aber dennoch auf Kurs: Sie will im 2015 etwa gleich viel wie im «sehr guten» Jahr 2014 exportieren.

Riesen-Minus in Hongkong

Die Mai-Zahlen aus den drei wichtigsten Märkten hingegen fielen schwach aus. In Hongkong schrumpften die Verkäufe um ein Drittel, in den USA um knapp 14 Prozent und in China um fast 10 Prozent.

In Hongkong – dem weltweit grössten Absatzmarkt für die Schweizer Uhrenbranche – ist der Trend schon seit Monaten negativ, das Minus seit Januar beträgt einen Fünftel. Laut Pasche liegt es unter anderem am starken Hongkong Dollar, dass weniger Schweizer Uhren über den Ladentisch gehen. Weil die Währung viel an Wert gewonnen hat, kaufen chinesische Touristen Schweizer Uhren lieber anderswo.

Nun ist Apple Konkurrent

Seit zwei Monaten ist die Schweizer Uhrenindustrie dem Wettbewerb von Apple ausgesetzt: Die Apple Watch des US-Technologiegianten ist seit 24. April erhältlich. Doch Sprecher Pasche bleibt gelassen: Alle Hersteller von Luxusgütern seien Konkurrenten – «Mit Apple haben wir nun lediglich einen Konkurrenten mehr.»