Über Jahre sanken die Schweizer Konsumentenpreise. Das ist vorbei: Im Januar kletterte die Inflation gegenüber Vorjahr auf 0,3 Prozent. Zwar ist das nur ein Mini-Plus, doch immerhin der höchste Anstieg seit fast fünfeinhalb Jahren. Vor allem Benzin kostete im Vorjahresvergleich und trieb die Preise nach oben: Erdölprodukte kosteten 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nach der längsten Phase sinkender Preise seit Jahrzehnten ist die Inflation also zurück in der Schweiz – wenn auch mit einer Rate von knapp über Null natürlich nur in dosierter Höhe. Zum Vergleich: Notenbanken wie die Europäische Zentralbank sprechen selbst bei Zuwächsen von knapp 2 Prozent noch von Preisstabilität.

Globale Inflation wird in die Schweiz importiert

Bereits im Dezember warnte Alexis Körber, Leiter Makro Research bei BAK Basel, gegenüber handelszeitung.ch vor dem grössten Preisauftrieb zu Anfang 2017 seit fünf Jahren. Nun ist die Prognose Realität. Und trotz der aktuell niedrigen Rate scheint steigende Inflation ein globales Phänomen geworden zu sein.

Als in den Welthandel stark integrierte Volkswirtschaft tangiert der Trend auch die Schweiz. Denn viele Alltagsgüter werden aus dem Ausland importiert. Darauf verweisen die Ökonomen der UBS in einer neuen Studie. Sie rechnen für die Schweiz in diesem Jahr mit einer Inflation von 0,4 Prozent. In Ländern wie den USA, Grossbritannien und Deutschland sei der Arbeitsmarkt wieder voll ausgelastet. Das dürfte in den Industrieländern mittelfristig zu höheren Löhnen und damit höheren Inflationsraten führen.

«Sparer müssen sich nach anderen Möglichkeiten umsehen»

In der Schweiz macht sich das in steigenden Importpreisen bemerkbar. Und schliesslich auch auf dem Bankkonto. Denn: «Sparer kommen unter Druck», schreiben die UBS-Ökonomen. Zwar mussten private Haushalte in den vergangenen Jahren nicht die von der Nationalbank eingeführten Negativzinsen schultern. Doch schon heute notiert die Verzinsung der Sparguthaben an der Nullgrenze.

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Mit der steigenden Inflation in der Schweiz jedoch dreht der reale Ertrag von Sparkonten ins Negative, warnen die UBS-Ökonomen. «Verdiente man im Jahr 2015 und 2016 auf der Bankeinlage real, so dürfte im laufenden Jahr ein realer Verlust anfallen», schreiben sie. Und: «Sparer müssen sich daher nach anderen Anlagemöglichkeiten umsehen.»

Anleger müssen aufpassen

Kapitalmarktstratege Tilmann Galler von J.P. Morgan ruft Sparer dazu auf, vor allem bei folgenden Kräften auf steigende Preise zu achten: Energiepreise, Nahrungsmittelpreise, Lohnentwicklung und Mieten. «Neben den klassischen realen Vermögenswerten wie Immobilien, Aktien und Rohstoffen sind es TIPS, die einen gewissen Schutz vor steigenden Inflationserwartungen liefern», sagt er. Gold biete hingegen nur bedingt Schutz.