1. Home
  2. Konjunktur
  3. Vollgeld-Initianten nerven sich über Basler Professor

Streit
Vollgeld-Initianten nerven sich über Basler Professor

Seine Idee löst Diskussionen aus: Vollgeld-Initiant Hansruedi Weber.Keystone

Aleksander Berentsen schlug eine Alternative zum Vollgeld vor - unter einer ähnlichen Webadresse wie die Initiative selbst. Dies sorgt beim Komitee für dreifachen Ärger.

Von Simon Schmid
am 07.10.2016

«Seine Kritik basiert auf vielen inhaltlichen Fehlern», werfen die Initianten der Vollgeld-Initiative dem Ökonomen Aleksander Berentsen vor. Es gehe dem Basler Wirtschaftsprofessor wohl nicht um sachliche Auseinandersetzung, sondern schon um Abstimmungskampf. «Was schon durch die Wahl der URL deutlich wird.»

Was ist passiert? Berentsen, Dekan am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel, hat vor zwei Monaten eine Webseite aufgeschaltet. Darauf gibt er die Gründe an, warum die Vollgeld-Initiative aus seiner Sicht abzulehnen sei. Und schlägt selbst eine Alternative vor: SNB-Konten für alle, eine Light-Version des Vollgelds. Die «Handelszeitung» hatte darüber berichtet.

Zum verwechseln ähnliche Domäne

Für die Vollgeld-Initianten um den Präsidenten des Vereins MoMo, Hansruedi Weber, ist Berentsens Webseite eine mehrfache Provokation. In ihren Augen liegt er inhaltlich falsch. Entgegen von Berentsens Behauptungen sei die Initiative nämlich nicht widersprüchlich formuliert, schreiben sie in einem eigenen Statement.

Weiter mache Berentsens eigener Vorschlag das Geldsystem nicht sicherer, wie es dem Anliegen der Initiative entsprechen würde, sondern unsicherer. Freiwillige Konten bei der SNB würden Bankenkrisen nicht mindern, sondern «sogar noch verstärken». Gäbe es solche Konten, würden die gewöhnlichen Konten bei Geschäftsbanken nämlich just im kritischsten Moment geräumt.

Berentsen hat auch aus einem dritten Grund für rote Köpfe gesorgt. Dies, weil der Professor seine Homepage unter der Domäne www.vollgeld-initiative.com publiziert hat. Diese sieht jener der offiziellen Vollgeld-Webseite – www.vollgeld-initiative.ch – täuschend ähnlich. Offenbar haben die Initianten versucht, mit Berentsen ins Gespräch zu kommen. Dieser habe aber «die weitere Kommunikation verweigert.»

Worum es bei den «SNB-Konten für alle» genau geht, beschreibt der Ökonomieblog «Free Lunch» in einem separaten Beitrag: «Was taugt die Alternative zum Vollgeld?»

Anzeige