CVP:

Die CVP steht hinter dem Wechselkurs-Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und respektiert deren Unabhängigkeit. Natürlich bestehe eine gewisse Inflationsgefahr. Angesichts der tiefen Teuerung im Land lasse sich damit aber leben. Die Schweiz sei Opfer ihrer erfolgreichen Wirtschafts- und Schuldenpolitik, teilte die Partei am Dienstag mit. Es sei im Landesinteresse, vermehrt mit Ländern Beziehungen zu pflegen, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert seien. Darunter fallen gemäss CVP China, Kanada, Australien und Brasilien.

FDP:

Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber einem Wechselkursziel für den Euro hat die FDP Vertrauen in die Entscheide der unabhängigen Schweizerischen Nationalbank. Wie die Partei am Dienstag mitteilte, strebt die Notenbank für die Wirtschaft erträgliche Frankenkurse an. Auch würden die Kurse wieder verlässlicher. Die FDP hält es aus aktueller Sicht für klug, mit den Devisen Realwerte statt EU-Staatspapiere aus Problemländern zu kaufen.

Wirtschaftsverbände:

Bei den Wirtschaftsverbänden stösst die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der Festlegung einer Wechselkursuntergrenze auf positives Echo. Angesichts des drohenden Arbeitsplatzverlustes sei die Massnahme nötig, sagte Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, am Dienstag gegenüber der sda.

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«Ausserordentliche Umstände erfordern ausserordentliche Massnahmen», erklärte Minsch. Der Wechselkurs von 1.20 sei aber nicht in Stein gemeisselt. Bei Bedarf könne er später nach oben angepasst werden. Die Frage laute immer, welchen Kurs die Notenbank durchsetzen könne.

«In einem ersten Schritt kann die SNB einen Kurs von 1.20 sicher glaubwürdig verteidigen, ohne umfangreiche Risiken eingehen zu müssen.» In einer Phase der Überbewertung sei relativ wenig Geld nötig, um den Franken zu schwächen.

Auch der Schweizerische Gewerbeverband wertet die Intervention der Nationalbank positiv. «Wir begrüssen, dass die SNB den Willen gezeigt hat, den Franken abzuschwächen», sagte Direktor Hans-Ulrich Bigler. Kritisch beurteile er jedoch das Inflationspotenzial, das eine Kursuntergrenze mit sich bringe.

Es gelte stets, einen Mittelweg zwischen der Unterstützung der Wirtschaft und dem Verhindern von Inflation zu finden.

Der angekündigte Mindestkurs ist für ihn ein guter Kompromiss. Langfristig könne sich die Wirtschaft immer an Kursveränderungen anpassen. Bei einer derart raschen Aufwertung wie in den letzten Monaten sei ein Eingreifen der Notenbank aber gerechtfertigt.

Bundesrat:

Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat sich am Dienstag froh über den von der Nationalbank festgelegten Mindestkurs für den Euro gezeigt. Die Landesregierung stehe hinter diesem Entscheid.  «Ich bin ausserordentlich froh, dass sie den Schritt gemacht haben», sagte Schneider-Ammann in einer ersten Reaktion im Zürcher Lokalsender Radio 24. Der Schritt bringe eine Entlastung und Sicherheit. Die Firmen wüssten nun, mit welchen Vorgaben sie budgetieren müssten. Zudem sei der psychologische Effekt nicht zu unterschätzen.

Gewerkschaften:

Die Festlegung einer Kursuntergrenze für den Euro von 1.20 Franken durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) löst bei den Arbeitnehmervertretern positive Reaktionen aus. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) begrüsst den Mindestkurs als Schritt in die richtige Richtung.

Die SNB setze damit «ein wichtiges Signal», sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart am Dienstag gegenüber der sda. Damit anerkenne die Notenbank, dass die Aufwertung des Frankens extrem sei.

Allerdings geht der festgelegte Mindestkurs des Euro von 1.20 Franken nach Meinung von Lampart zu wenig weit. Er wiederholte die Forderung des SGB nach einem Kursziel von 1.40 für den Euro.

Der Personalverband Angestellte Schweiz spricht sich ebenfalls für eine höhere Untergrenze aus. «Um die Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft nachhaltig zu sichern, bräuchte es einen Eurokurs von mindestens 1.35 Franken», schrieb der Verband am Dienstag in einem Communiqué.

(laf/vst/sda/awp)