Die Offensive kurz vor Weihnachten warf viele Fragen auf: Am 23. Dezember informierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) darüber, dass im Zusammenhang mit Dollarkäufen von SNB-Präsident Philipp Hildebrand kein Tatbestand des Insiderhandels vorlag. Fragen deshalb, weil es rund um die Transaktion gar keine entsprechenden Gerüchte gegeben habe.

Nun kommt dahingehend Licht in die Sache, dass hinter der gesamten Aktion gemäss «NZZ am Sonntag» politische Gründe stehen. «Offenbar spielt Christoph Blocher in dieser Affäre eine zentrale Rolle», heisst es im Bericht. Er habe am 15. Dezember Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey über die Dollarkäufe und die damit verbundenen Verdächtigungen von Hildebrands Frau Kashya informiert.

«Wer das Interesse daran hatte, solche Gerüchte zu verbreiten, weiss ich nicht», sagt Kurt Grüter, Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, in einem Interview mit «Der Sonntag». Am 15. Dezember habe die Nationalbank - offenbar zeitgleich - davon Kenntnis erhalten und habe daraufhin die Bundespräsidentin informiert. «In Absprache mit der Nationalbank haben wir entschieden, die Sache anzuschauen», so Grüter.

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Hildebrand, von Calmy-Rey und Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf mit den Vorwürfen konfrontiert, habe rasch reagiert und die Transaktion von unabhängiger Stelle untersuchen lassen. Im Rahmen einer Sondersitzung vom 22. Dezember sprach die SNB nach Abschluss der Untersuchung Hildebrand einstimmig das Vertrauen aus – und informierte tagsdarauf die Öffentlichkeit.

Offen bleibt die Frage, wie Blocher zu den Informationen gekommen wäre. «Klar ist dagegen, dass die Informationen einen derartigen Detaillierungsgrad aufweisen, dass sie nur widerrechtlich beschafft worden seien.» Eine Verletzung des Bankgeheimnis muss vorliegen – Kashya Hildebrands Konto soll sich bei der Bank Sarasin befunden haben.

(vst)