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Geldpolitik
Wieso die SNB neidisch auf die Schweden sein kann

Die Schweizerische Nationalbank ist nicht alleine: In mehreren Staaten sind die Leitzinsen negativ. Das Instrument birgt Risiken. Doch in einem Land müssen sich die Notenbanker weniger Sorgen machen.

Von Marc Bürgi
am 15.01.2016

Vor einem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Kampf gegen die Frankenstärke Negativzinsen eingeführt. Seitdem verlieren die Banken ab einem gewissen Betrag Geld, wenn sie ihre Mittel bei der SNB aufbewahren. Aus Sicht der Notenbanker hat sich das Instrument bewährt – es sei mit ein Grund, wieso sich der Franken zum Euro nicht noch stärker aufgewertet hat.

Doch die Währungshüter um SNB-Präsident Thomas Jordan gehen mit Negativzinsen dennoch Risiken ein. Eines sticht heraus: Sparer könnten Geld zunehmend unter der Matratze verstauen, statt es aufs Bankkonto einzuzahlen. Wenn immer mehr Geld in Bar gebunkert wird, verlieren die Negativzinsen an Wirkung.

Schweizer lieben den Tausender

Die Sorge ist naheliegend. Denn Banken zahlen zurzeit nur mickrige Zinsen, und einige Institute wie die Alternative Bank geben die Strafzinsen bereits an normale Kunden weiter. Tatsächlich wird Geld zunehmend gehortet – dies räumt die SNB ein. Banknoten würden in «erheblichem Umfang» als Wertaufbewahrungsmittel verwendet, schreibt sie ihrem letzten Jahresbericht.

Jede zehnte Frankennote ist ein 1000er Schein; diese obwohl kaum jemand mit einem violetten Tausender einkaufen geht. Der bekannte Ökonom Kenneth Rogoff hält diese Schwemme von Tausendernoten für ein grosses Problem für die SNB, wie er im vergangenen Jahr in Zürich verriet. In der Schweiz ist sehr viel Bargeld im Umlauf.

Die Schweden habens besser

Zur Entlastung kann Thomas Jordan auf Kollegen verweisen: Denn die SNB ist mit ihrer bitteren Medizin nicht alleine, auch andere Notenbanken haben Negativzinsen eingeführt.

Prominentes Beispiel ist die schwedische Riksbank. Doch die Schweden haben einen grossen Vorteil gegenüber der SNB: Im nordischen Land ist Bargeld fast ein Relikt aus der Vergangenheit. Viele Schweden zahlen nur per Kreditkarte oder mit einer App. Im Detailhandel wird 95 Prozent vom Umsatz bargeldlos abgewickelt. Und immer mehr Geldautomaten verschwinden. Geld fliesst in Schweden also in erster Linie elektronisch – was die Währungshüter besser schlafen lässt.

Dänemarks «elegante Lösung»

Wenn die SNB noch länger auf die Negativzinsen setzt, sollte der Bundesrat vielleicht Dänemark kopieren: Dort werden selbst Kleinstbeträge von den meisten Konsumenten mit Karte bezahlt – und die Regierung will die Bevölkerung mit neuen Gesetzen vom Bargeld entwöhnen. Dies wäre ganz im Sinne von Starökonom Rogoff: Papiergeld abzuschaffen, ist für ihn «eine sehr einfache und elegante Lösung», damit Notenbanken Negativzinsen einführen können.

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