Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich deutlich verlangsamt. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal noch um 0,2 Prozent zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilte. Das ist der tiefste Wert seit dem zweiten Quartal 2009, als sich die Wirtschaft in der Rezession befand und das BIP schrumpfte.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal 2011 war das BIP noch um 0,4 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Wachstum im dritten Quartal 1,3 Prozent.

Die schwächere Wirtschaftsentwicklung ist vor allem auf äussere Faktoren zurückzuführen. Der hohe Kurs des Frankens lässt die Exportwirtschaft weiterhin leiden. Die Ausfuhren brachen gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent ein. Auch in der Industrie, die stark auf Exporte ausgerichtet ist, machte sich der starke Franken bemerkbar: Sie schrumpfte um 0,7 Prozent. Nur wenig besser erging es der Landwirtschaft, deren Wertschöpfung um 0,3 Prozent abnahm.

Exporteure mit tieferen Preisen

«Die exportorientierten Sektoren sind im Moment doppelt belastet: einerseits hat sich die Weltkonjunktur in den letzten Monaten abgekühlt, andererseits belastet zusätzlich der hoch bewertete Franken die Exportentwicklung», sagte Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco. Die Weltwirtschaft habe sich merklich abgekühlt, was es für Schweizer Unternehmen schwieriger mache, im Ausland Abnehmer für ihre Produkte zu finden.

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Die Exporteure versuchten, die Stärke des Frankens durch tiefere Preise teilweise zu kompensieren. Die Preise von ausgeführten Gütern gingen im gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zurück. Bei den Warenexporten ohne Wertsachen belief sich der Rückgang gar auf 4,6 Prozent.

Wegen der schwächelnden Exporte war die Wirtschaft im dritten Quartal vor allem von der inländischen Nachfrage abhängig: Gegenüber dem zweiten Quartal wuchs der private Konsum um 0,1 Prozent, der öffentliche um 0,6 Prozent. Die Importe nahmen um 0,1 Prozent zu.

Trübe Aussichten

Unter den einzelnen Sektoren entwickelte sich der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent am besten. Im Sektor der Finanz- und Versicherungsbranche stieg die Wertschöpfung um 0,5 Prozent, im Baugewerbe betrug das Wachstum 0,2 Prozent.

Dass die Schweizer Wirtschaft mit dem tiefen Wachstum im dritten Quartal den Tiefpunkt erreicht hat, ist laut Bruno Parnisari nicht zu erwarten. Die wenigen Indikatoren, die für die Zeit seit September bereits verfügbar sind, deuteten eher darauf hin, dass das vierte Quartal noch schlechter ausfallen werde.

Das Seco erwarte zwar «keine ausgeprägte Rezession». Es sei aber klar, dass die Abkühlung der Weltkonjunktur nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben werde. Zuletzt hatte die OECD am Montag ihre Prognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Sie geht für das kommende Jahr noch von einem Wachstum von 3,4 Prozent aus. Im September schätzte das Seco, dass die Schweizer Wirtschaft 2012 um 0,9 Prozent wachsen wird.

(tno/rcv/sda)