Diesen Donnerstag gibt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Zinsentscheid bekannt. Für die Währungshüter findet die vierteljährliche Lagebeurteilung unter einem vergleichsweise guten Stern statt: Zuletzt schwächte sich der Franken gegenüber dem Euro kontinuierlich ab und erleichtert so den hiesigen Unternehmern die Geschäfte. Das mindert – zumindest in der Theorie – denn auch den Deflationsdruck etwas.

Entsprechend wenig Handlungsbedarf sehen Beobachter: UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt erwartet keine geldpolitische Veränderung – «alles andere wäre eine Überraschung», sagte er. Auch die Raiffeisen Bank glaubt nicht an einen Zinsschritt. Zurecht habe SNB-Präsident Thomas Jordan Anfang des Monats betont, dass keine Deflationsspirale drohe, analysiert Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch.

Binnenwirtschaft wirkt als Puffer

Das Gremium um Jordan dürfte also beim Negativzins bleiben: Seit Mitte Januar strebt die Nationalbank beim Referenzzinssatz Libor eine Spannbreite von minus 0,75 bis minus 0,25 Prozent an.

Positiv für die Schweiz ist der jüngst schwächer gewordene Franken: Für UBS-Ökonom Kalt ist die Lage in der Euro-Zone der Hauptgrund für den aktuellen Eurokurs um 1.10 Franken. Diese Entwicklung habe sich abgezeichnet, nachdem sich die Krise um Griechenland beruhigt hatte und ein Aufschwung in der Euro-Zone einsetzte. Das zeigten auch die letzten Wochen: Trotz dem Börsensturz in China und den Turbulenzen an der Wall Street «gab es keine Flucht in den Franken».

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Der UBS-Ökonom hält einen Kurs von 1.10 weiterhin für realistisch. Die Schweizer Wirtschaft sei auf Kurs, in diesem Jahr leicht zu wachsen. Zuletzt legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) auf Quartalssicht um 0.2 Prozent zu, um eine Rezession kam die Schweiz also herum. «Die Exportwirtschaft leidet, aber die Binnenwirtschaft wirkt wie ein Puffer», sagt Kalt.

SNB dürfte auf Abkühlung in China verweisen

Die Bank hob ihre BIP-Prognose von 0.5 auf 1.0 Prozent in diesem Jahr – für 2016 veranschlagt sie statt 1.1 neu 1.4 Prozent. Wachstumsraten von 4 Prozent wie vor der Finanzkrise traut Kalt der Schweiz in nächster Zeit nicht zu. Dank der Binnenwirtschaft werde auch die Arbeitslosigkeit nicht stark steigen, glaubt der Experte. Verwaltung, Gesundheitsversorger oder der Immobiliensektor schafften neue Stellen – und kompensierten den Stellenabbau in der Industrie.

Raiffeisen-Ökonom Koch verweist ebenfalls auf die gestiegene Kaufkraft der Konsumenten. Dennoch erwartet er bei der anstehenen Lagebeurteilung keine positiveren Töne seitens der SNB. «Wie bereits die Fed und die EZB, dürfte auch die SNB die durch die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft gestiegenen Abwärtsrisiken für die internationale und somit auch Schweizer Konjunktur hervorheben», analysiert er.

«Die SNB hofft,  dass die Amerikaner voranschreiten»

Ebenfalls am Donnerstag gibt die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid bekannt. «Die SNB wird hoffen, dass die Amerikaner voranschreiten und die Zinsen erhöhen», sagt UBS-Experte Kalt. Wenn die Fed als erste wichtige Notenbank die Zinswende einleite, ebne dies den Weg für eine Zinserhöhung auch in der Schweiz. Allerdings erst auf längere Sicht: Im Moment sei die Fed für den Zinsentscheid nicht zentral, so Kalt. Wichtiger als die USA sei aktuell die Entwicklung im Euro-Raum.

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