Dank des Freihandelsabkommens mit der EU sparen Schweizer Exportfirmen über eine Milliarde Franken an Zöllen. Das hat eine Studie von Switzerland Global Enterprise zum ersten Mal bezüglich fünf untersuchter Staaten belegt. Demnach profitierten Schweizer Exporteure im Jahr 2012 von Zolleinsparungen im Umfang von 987 Millionen Euro – allein im Bereich der Industrie. Für Unternehmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sei das Freihandelsabkommen überlebenswichtig, sagte Patrick Ziltener, Privatdozent an der Universität Zürich und Autor der Studie.

Auf Basis von Daten des Statistikamts Eurostat wertete er Daten für den Warenverkehr mit Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Grossbritannien aus. Dabei untersuchte er, welche Waren ohne das im Jahr 1973 in Kraft getretene Handelsabkommen höher hätten besteuert werden müssen. Das Ergebnis: Am meisten Zolleinsparungen fielen im vergangenen Jahr in Deutschland an – nämlich knapp 600 Millionen Euro. Es folgen Frankreich mit 184 Millionen Euro, Italien mit 87 Millionen Euro, Österreich mit 75 Millionen Euro und Grossbritannien mit 45 Millionen Euro. 

Freihandelsabkommen mit China steht bevor

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Die Studie kommt zu einem spannenden Zeitpunkt. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 stockt der globale Handel zunehmend: Er wächst deutlich schwächer als Mitte der 2000er Jahre – ein Problem für die exportorientierte Schweizer Volkswirtschaft. Erst vor wenigen Wochen wurde das Handelsabkommen mit China unterzeichnet. Die Volksrepublik ist mittlerweile die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und der drittgrösste Abnehmer von Schweizer Industrieprodukten weltweit – nach der EU und den USA. 

Entsprechend der Studienergebnisse kommt Ziltener zum Schluss: Freihandelsabkommen sind für die Schweizer Exportwirtschaft wichtiger denn je, zumal die WTO-Verhandlungen seit einiger Zeit ins Stocken geraten sind. Insbesondere das Abkommen mit der EU sei bedeutend, da die EU mit einem Exportanteil von über 55 Prozent nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Exporteure sei. Daniel Küng, Chef von Switzerland Global Enterprise: «Das Einsparpotenzial dank der Freihandelsabkommen ist noch nicht ausgeschöpft. Wir begrüssen deshalb auch die momentan stattfindenden Verhandlungen mit Indien, Indonesien und Russland.»

Vor allem die Exporteure von Plastik und Gummi profitierten vom EU-Abkommen. Dort sind der Studie zufolge 89 Prozent der Ausfuhren deshalb zollbefreit. Bei der Textilindustrie seien es 87 Prozent und bei der Maschinen-, Elektronik- und Metallindustrie 69 Prozent.

Schweiz inzwischen zweitwichtigster Exportmarkt der EU

Im Gegenzug profitiert die EU freilich ebenfalls vom Handelsabkommen. Die vermeintlich kleine Schweiz gewinnt als Wirtschaftspartner für die 28 Mitgliedsstaaten immer mehr an Bedeutung – micht zuletzt wegen der anhaltenden konjunkturellen Misere im Wirtschaftsraum. In den ersten acht Monaten dieses Jahres importierte die Eidgenossenschaft Waren und Dienstleistungen im Wert von 118,5 Milliarden Euro aus der EU, wie am gestrigen Montag veröffentlichte Handelsdaten des Statistikamts Eurostat zeigen. Das entspricht einem Plus von fast einem Drittel gegenüber dem Vorjahr – genau genommen: 32 Prozent.

Damit ist die Schweiz für die EU der zweitwichtigste Handelspartner und von den ersten zehn Absatzländern der mit Abstand am stärksten wachsende Markt in diesem Jahr – mit deutlichem Abstand vor China, wohin die 28 EU-Länder Waren von 97 Milliarden Euro exportierten. An Nummer Eins rangiert noch immer unangefochten die USA mit einem EU-Ausfuhrvolumen von 190 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres rangierte die Schweiz für die EU noch an vierter Stelle hinter den USA, China und Russland.

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