Nach fast zwei Jahren mit schlechten Geschäftszahlen gewinnt die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) in diesem Sommer erstmals wieder an Zuversicht. «Es zeigt sich ein erster heller, wenn auch dünner Silberstreifen am Horizont», sagte Peter Dietrich, Direktor des Branchenverbands Swissmem, heute vor Medien. Das Gros der Verbandsmitglieder bewerte die eigene Zukunft inzwischen positiv. Eine wichtiges Puzzle-Teil ist dabei die Erholung in den Nachbarstaaten, die ebenfalls wieder deutlicher an Fahrt aufnimmt.

Die Erholung der Schweizer Industrie gilt vielen Experten als Frühindikator für die gesamte Wirtschaft. Läuft es dort besser, erholen sich nach und nach auch die anderen Bereiche. Im verarbeitenden Gewerbe selbst kommt diese Rolle des Frühindikators dem Bereich Textilmaschinen zu: «Die Textilmaschinenhersteller sind eine typisch frühzyklische Subbranche der MEM-Industrie», sagte Dietrich. Gehe es dort bergauf, sei das ein wichtiges Signal, weil dies häufig ein Anzeichen für ein Anziehen der gesamten Wirtschaft darstelle. «Wir haben die Hoffnung, dass sich das Momentum auch auf andere Branchen übertragen wird.»

Gegenwind lässt spürbar nach

Tatsächlich scheint in diesen Sommermonaten eine Belebung in Reichweite. Viele Firmen glaubten an den Aufschwung und neue Aufträge - vor allem, weil die EU-Wirtschaft erstmals seit anderthalb Jahren wieder wächst, sagte Dietrich. Frühindikatoren deuten auch für die kommenden Monate auf Expansion. Die MEM-Industrie exportiert über 60 Prozent ihrer Güter in die EU.

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Wichtigster Abnehmer der Schweizer Produkte ist mit Abstand Deutschland. Und hier bessert sich die Stimmung der Unternehmen ebenfalls beträchtlich: Mit dem Ifo-Geschäftsklima stieg der wichtigste Frühindikator der deutschen Konjunktur im August um 1,3 auf 107,5 Punkte, wie gemeldet wurde. Das ist der höchste Stand seit über einem Jahr, kaum ein Beobachter hatte mit einem solchen Sprung gerechnet. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten auf die kommenden Monate bewerteten die 6'000 befragten Firmen besser. «Deutschland bleibt auch im dritten Quartal auf Wachstumskurs», sagte Christian Melzer, Ökonom bei der Dekabank.

Blick zurück ist trostlos

Auch Swissmem-Chef Dietrich bestätigte, dass die Exportzahlen im Juli stark zulegten. Es bestehe die Hoffnung, dass er bald ein positiveres Bild der Lage der Schweizer MEM-Industrie zeigen könne. «Die Unternehmen sind nach ihrer Fitnesskur der vergangenen Jahre bestens gerüstet, um die sich bietenden Chancen zu packen.»

Aufholpotenzial gibt es genug. Insgesamt sanken die Neuaufträge der Industrie im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent. Im Frühjahrsquartal beschleunigte sich mit Verschärfung der Euro-Krise dieser Trend sogar noch. Entsprechend gering ist die Auslastung mit 82,5 Prozent derzeit. Zum Vergleich: Der langjährliche Schnitt liegt mit 86,1 Prozent deutlich darüber.

(Mit Material von sda/awp)