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Aussenhandel
Schweizer Iran-Exporte gewinnen zweistellig

Seit dem Ende der Sanktionspolitik steigt der Wert der Schweizer Exporte in die Islamische Republik. Der Iran entwickelt sich damit überdurchschnittlich gut.

Von Marc Iseli
am 22.08.2016

Die Schweizer Exporte in den Iran nehmen nach dem Ende der Sanktionen immer mehr Fahrt auf. Die Exporte in die Islamische Republik zogen in den ersten sechs Monaten um mehr als 11 Prozent auf über 200 Millionen Franken an, wie Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigen.

Das Iran-Geschäft entwickelt sich damit weit besser als die Schweizer Exporte insgesamt, die zwischen Januar und Juni um 5 Prozent zulegten. Und der Trend dürfte anhalten, obschon im Juli eine Exportdelle zu verzeichnen war. Die Exporte in den Iran sanken im letzten Monat um einen Drittel.

Pillen und Pulver

Das wichtigste Exportgut in den Iran sind Pillen und Pulver: Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist für mehr als die Hälfte des Exportvolumens verantwortlich. Der Warenwert summiert sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 120 Millionen Franken.

Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von fast 20 Millionen Franken. Damit ist die Pharma-Branche der wichtigste Treiber des aktuellen Wachstums. Auf Platz zwei der Top-Exporte sind Uhren und Schmuck. Platz drei sind Maschinen und Elektronikwaren.

CFOs wittern ihre Chance

Nach der Beilegung des jahrelangen Streits über das iranische Atomprogramm wurden in diesem Jahr viele internationale Sanktionen beendet. Das hat eine regelrechte Goldgräberstimmung hervorgebracht. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte hat ergeben, dass hiesige Finanzchefs die grössten Chancen im einstigen «Schurkenstaat» wittern.

Zu verdanken ist das den fast schon märchenhaften Eckdaten: Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 27 Jahren, viele Iraner haben einen Hochschulabschluss. Schon jetzt entspricht das iranische Bruttoinlandprodukt (BIP) mit 400 Milliarden Dollar etwa dem von Österreich. Zudem zählt das Land zu den grössten Ölproduzenten der Welt. Iran ist aber nicht so stark von dem Rohstoff abhängig wie zum Beispiel Saudi-Arabien. Gemäss Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) steht dem Land trotz Preisflaute beim schwarzen Gold ein BIP-Wachstum von mehr als 4 Prozent bevor.

Erste Grossaufträge

Erste Schweizer Firmen haben auch bereits Erfolge verbuchen können. So hat der Thurgauer Bahnbauer Stadler Rail Mitte Mai mit dem Iran eine beidseitige Absichtserklärung über die Lieferung von 2000 Metro-Waggons unterzeichnet, wie die «Handelszeitung» berichtete. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von rund 2 Milliarden Dollar – das entspricht dem 10-fachen der kumulierten Iran-Exporte im ersten Halbjahr 2016.

Noch früher hat sich das Genfer Familienunternehmen Caran d'Ache positioniert. Der Schreibwarenhersteller ist bereits seit vergangenem Jahr wieder auf dem iranischen Markt präsent. Das Potenzial sei absolut fantastisch, schwärmte Carole Hübscher, Verwaltungsratspräsidentin und Enkelin des Firmengründers, vor wenigen Wochen.

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