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Erholung
Schweizer Konsumenten trotzen der Krisenstimmung

Die Ukraine-Krise schwelt, noch immer schwächelt die Euro-Zone. Und doch wächst die Schweizer Wirtschaft so stark wie zuletzt im Frühjahr 2013. Wie geht es weiter?

Von Mathias Ohanian
am 03.12.2014

Der politische Konflikt mit Russland schwelt, die Ukraine-Krise verunsichert die Schweizer Unternehmen. Und doch ist die Schweizer Wirtschaft im Herbst mit 0,6 Prozent noch einmal stattlich gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Die meisten Beobachter hatten mit deutlich weniger Zuwachs gerechnet. Zudem ist der heute vermeldete Quartalswert der höchste seit dem Frühjahr 2013.

Ebenfalls positiv: Im Frühjahr wuchs die Wirtschaft um 0,3 statt 0,2 Prozent, wie bislang geschätzt. Die Ausgaben der Konsumenten und des Staates trugen am stärksten zum Wachstum bei, analysiert Martina von Terzi, Ökonomin bei der Unicredit.

«Schweiz behauptet sich gegen starken Franken»

Daneben liefen auch die Exporte gut: Der Aussenhandel entwickelte sich deutlich dynamischer als in den vorangegangenen Quartalen, kommentieren die Konjunkturexperten von Bak Basel. Um fast drei Prozent stiegen die Warenexporte im dritten Quartal - begünstigt durch den Mindestkurs des Frankens durch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) trugen die Verkäufe von chemischen und pharmazeutischen Produkten am stärksten zum Exportwachstum bei.

Allein die Investitionen Schweizer Firmen in neue Ausrüstungen und Anlagen enttäuschten im Herbst einmal mehr. Dennoch kommentierten auch Ökonomen im Ausland weitgehend positiv: «Die Schweizer BIP-Zahlen lassen den Schluss zu, dass sich die Wirtschaft noch immer gut gegen den doppelten Druck aus Schwäche der Euro-Zone und Stärke des Franken behauptet», heisst es in einer Analyse der Londoner Researchfirma Capital Economics.

Gut ins Jahresendquartal gestartet

Hält diese relative Stärke in den anstehenden Wintermonaten an? Gemäss den bislang veröffentlichten Handelszahlen ist die Schweizer Exportwirtschaft auch gut ins Jahresendquartal gestartet. Allein aus den ersten drei Quartalen des Jahres steht unterm Strich ein gesamtwirtschaftliches Plus in diesem Jahr von knapp zwei Prozent.

Zuletzt hatten Fachleute im Schnitt nur noch rund 1,5 Prozent veranschlagt. Und wichtige Frühindikatoren wie die Umfrage unter Einkaufsmanagern deuten nach einem Zwischentief im September wieder auf eine allmähliche Belebung.

Aussenwirtschaftliche Unsicherheiten

Die aussenwirtschaftlichen Unsicherheiten bleiben laut Einschätzung von Bak-Basel Chefökonom Martin Eichler «jedoch weiterhin hoch». Entsprechend dürfte das Wachstum im Winter etwas schächer ausfallen als im Herbst.

Dies gilt umso mehr, sollte die Wirschaft in der Euro-Zone sich in den kommenden Monaten schlechter als bislang erwartet entwickeln. Auch die Ukraine-Krise dürfte sich erst allmählich in den Zahlen niederschlagen. «Zudem deuten die vorlaufenden Indikatoren auf eine Abkühlung der Baukonjunktur im Jahr 2015 hin», heisst es bei Bak Basel. Mit einem Einbruch der Schweizer Wirtschaft ist jedoch nicht zu rechnen.

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