Solarstrom ist in der Schweiz gefragt: In den letzten Jahren hat die Nachfrage rasant zugelegt. Und das Potenzial bleibt gross: Der Solarstrom deckt bisher nur 1,5 Prozent des Stromverbrauchs im Inland. Doch gleichzeitig kämpft die Branche mit politischer Unsicherheit und Preisdruck.

Rund eine Milliarde Franken wurde 2014 in der Schweiz mit Photovoltaikanlagen umgesetzt, wie Daten des Schweizerischen Fachverbandes für Sonnenenergie, Swissolar, zeigen. Noch vor fünf Jahren waren es weniger als 50 Millionen Franken.

Kräftig unterstützt wurde das Wachstum vom Bund: Seit 2009 wird Strom aus Solaranlagen mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gefördert. Finanziert werden die Beiträge für den Solarstrom über einen Netzzuschlag der Stromkonsumenten.

Knifflige Loslösung von politischer Förderung

Nach 2017 werden die zur Verfügung stehenden Fördermittel aber voraussichtlich ausgeschöpft sein. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. «Die Unsicherheit betreffend der Energiestrategie 2015 ist für die Branche sehr schwierig», erklärt David Stickelberger, Geschäftsleiter von Swissolar.

Die KEV stösst bereits heute an ihre Grenzen: Rund 35'000 Photovoltaikanlagen stehen auf der Warteliste. Rolf Wüstenhagen, Professor für Management Erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen, sieht im Übergang von der politischen Förderung zum freien Markt eine Herausforderung für die Branche: «Ein solcher Übergang bringt immer Komplikationen mit sich.»

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Die Preise sind ein zentraler Faktor für das Solargeschäft. Die Kosten seien zum Teil bereits niedriger als die Endkundenpreise für den normalen Strom, beobachtet Wüstenhagen. Das kurbelt die Nachfrage an. Angesichts sinkender KEV-Beiträge sind die Installateure allerdings heute gefordert. Denn damit sich die Anlagen dennoch rechnen, darf die Installation nicht zu viel kosten.

Schmaler Grat zur Rentabilität

Der Kostendruck in der Branche ist laufend ein Thema. So verzeichnete etwa der Solarausrüster Meyer Burger in den letzten Jahren nach einer Durststrecke wieder steigende Umsätze. Weltweit zieht die Nachfrage nach Solarenergie an - das kommt dem Zulieferer zu Gute. Dennoch schaffte es das Berner Unternehmen bisher nicht aus den roten Zahlen. 2014 verbuchte Meyer Burger einen Verlust von 135 Millionen Franken.

Nicht nur bei der Anlagenproduktion wird eng kalkuliert. Auch Stromproduzenten kämpfen mit der Rentabilität. Edisun Power etwa kauft bestehende Anlagen in der Schweiz, Deutschland, Spanien und Frankreich und verdient an den staatlichen Förderungen. Im vergangenen Jahr schrieb Edisun erstmals seit 2008 einen Gewinn - allerdings unter anderem dank Einmaleffekten.

Ob es dieses Jahr wieder für einen Gewinn reicht, hängt laut Edisun-Chef Rainer Isenrich vom produzierten Strom und damit vom Wetter sowie vom Wechselkurs des Franken zum Euro und von der Erweiterung des Anlagenportfolios ab. In den nächsten Jahren sieht Isenrich grosse Veränderungen auf die Branche zukommen: «Das ganz grosse Wachstum ist vorbei.»

Schweiz hinkt bei Batterien hinterher

Eine wesentliche Rolle in der Zukunft des Solarstroms nehmen Speichersysteme ein. Bisher war es ein grosses Problem der Solaranlagen, dass der am Tag erzeugte Strom am Abend, wenn er gebraucht wurde, nicht mehr genutzt werden konnte. Doch die Speichersysteme haben in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt.

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So stehen Elektrospeicher bei der Fachmesse Intersolar dieses Jahr im Zentrum. Führend bei den Batteriesystemen sind laut Universitätsprofessor Rolf Wüstenhagen Länder wie Deutschland und Italien. Im Gegensatz zur Schweiz haben diese Länder mehr Solarstromkapazitäten und zugleich weniger Speichersysteme wie Wasserkraftwerke, wie Wüstenhagen ausführt. Die Schweiz laufe aber Gefahr, bei dieser Technologie den Anschluss zu verlieren.

(sda/chb)