Die Schweizer Wirtschaftsleistung ist grösser und wächst schneller als bislang berechnet. Durch die Umstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen. Nach bisheriger Grundlage hatte gegenüber dem Vorquartal eine Stagnation resultiert.

Im Vorjahresvergleich ergibt sich gar ein BIP-Wachstum von 1,4 Prozent anstelle der bisherigen Zunahme von 0,6 Prozent. Verantwortlich seien namentlich die leicht höheren positiven Wachstumsimpulse der Handelsbilanz mit Waren und Diensten, sagte Bruno Parnisari vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vor den Medien in Bern. Im Schnitt liegt die Wachstumsrate zwischen 1995 und 2012 nach der neuen Berechnungsgrundlage 0,15 Prozentpunkte höher als bislang ermittelt. Der Anstieg ist vor allem auf das grössere Gewicht der wachstumsstärksten Branchen der Schweizer Wirtschaft zurückzuführen.

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Wirtschaftliche Realität abbilden

Bislang berechneten das Seco und das Bundesamt für Statistik (BFS) das BIP auf Grundlage des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG 95). Im Einklang mit der Europäischen Union passt die Schweiz die Berechnungsgrundlage auf ESVG 2010 an. Dies wirkt sich auch deutlich auf die absolute Höhe des Bruttoinlandproduktes aus. Im Schnitt vergrössert es sich für die letzten Jahre um 5 bis 6 Prozent.

Mit der Umstellung soll die inländische Wertschöpfung international noch besser vergleichbar sein, wie BFS-Direktor Georges-Simon Ulrich erklärte. Ziel sei es, die wirtschaftliche Realität eines Landes möglichst genau abzubilden, wobei diese einem stetigen Wandel unterliege. Als Basisjahr dient den Statistikern das Jahr 2011, in dem die neue Berechnung das BIP um 5,7 Prozent erhöht. Zwei Drittel davon erklärt sich mit der Übernahme der Vorgaben des ESVG 2010. Daneben spielen auch die Revision der Zahlungsbilanz und die neue Statistik über die Unternehmensstruktur eine Rolle.

Forschung und Entwicklung ausschlaggebend

Die wichtigste Änderung betrifft die Ausgaben von Forschung und Entwicklung. Künftig werden diese nicht mehr als laufende Aufwendungen betrachtet, sondern als Investitionen.

Im Referenzjahr 2011 ist das höhere BIP zu 60 Prozent auf den Einbezug dieser Ausgaben zurückzuführen. 2008 etwa gaben der private und und öffentliche Sektor laut BFS 17,4 Milliarden Franken für Forschung und Entwicklung aus. Wenig ins Gewicht fällt dagegen die Änderung bei den Militärausgaben, die neu auch als Investitionen behandelt werden, sofern die Lebensdauer der Ausrüstung mindestens ein Jahr beträgt.

(sda/dbe)