Die Abkehr vom Euro-Mindestkurs und die darauffolgende schockartige Franken-Aufwertung haben das Wachstum in der Schweiz abgewürgt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sank im ersten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mit. «Negative Impulse kamen insbesondere von der Handelsbilanz mit Waren und Dienstleistungen», erklärten die Seco-Ökonomen. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal gab es einen BIP-Anstieg von 1,1 Prozent. 

Volkswirte hatten für die ersten drei Monate einen BIP-Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal prognostiziert und 1,5 Prozent Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Erstes BIP-Minus seit dem dritten Quartal 2011

Es ist dies die erste negative Wirtschaftsentwicklung seit 13 Quartalen. Letztmals gesunken war das BIP zuvor im dritten Quartal 2011. Eine derartige markante Senkung des BIP ist sehr selten, auch in Anbetracht der besseren Konjunkturlage in Europa. Im ersten Quartal 2014 war das BIP in der Schweiz noch um 0,5 Prozent gestiegen.

Insgesamt hatte sich das Vorjahr gut entwickelt: 2014 wuchs die Wirtschaft um 2,0 Prozent. Damit hatte sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr noch einmal beschleunigt, als sie um 1,9 Prozent zulegte.

Konsumausgaben als positiver Impuls

Einen stärkeren Rückgang verhinderten die zunehmenden Investitionen in Anlagen und der anziehende Privatkonsum. In der Produktion dagegen schwächte sich das Wachstum in vielen Branchen deutlich ab, insbesondere Handel und Gastgewerbe entwickelten sich rückläufig.

Im Januar hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den mehr als drei Jahre geltenden Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben. Die darauffolgende Franken-Aufwertung verteuert Schweizer Exporte und mindert die Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Firmen im Ausland.

Experten erwarten eine deutliche Wachstumsabschwächung und möglicherweise eine kurze leichte Rezession. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigte sich für die Entwicklung in naher Zukunft skeptisch. Noch 0.8 Wachstum erwarten die Experten für 2015 laut des kürzlich veröffentlichten halbjährlichen Ausblicks. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,0325 Franken bezahlt.

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(sda/reuters/me/ama)