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Schweizer Wirtschaft soll 2018 richtig loslegen

Industrie: Deutliche Impulse erwartet. Keystone

Die Schweiz soll ab nächstem Jahr von der Dynamik des internationalen Umfelds profitieren. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hat die Wachstumsprognose für 2018 erhöht.

Veröffentlicht am 05.10.2017

Die Schweizer Wirtschaft soll nächstes Jahr definitiv von positiven Impulsen der Weltwirtschaft profitieren. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) korrigierte die Wachstumsprognose für 2017 nach unten und erhöhte sie für 2018 auf 2,2 Prozent.

An das Wachstum der Boomwirtschaft Deutschlands komme die Schweiz nicht heran, sagte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm am Donnerstag vor den Medien. Doch die Schweiz werde ab nächstem Jahr immer mehr von der Dynamik des internationalen Umfelds profitieren. Die KOF-Ökonomen erhöhten ihre Prognose für 2018: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) soll dann um 2,2 Prozent zulegen. Im Juni war noch von 2,1 Prozent die Rede gewesen.

Fussball beeinflusst Konjunktur

Schwerer als mit den Zukunftsprognosen tut sich Sturm mit den Schwächen der Vergangenheit. Wegen des enttäuschenden Winterhalbjahrs 2016/17 nahm die KOF die BIP-Prognose für das laufende Jahr auf 0,8 Prozent zurück, nachdem sie im Juni noch 1,3 Prozent erwartet hatte. Bereits letzten Monat hatte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) seine 2017-Prognose von 1,4 auf 0,9 Prozent zurückgenommen.

Das Seco und auch die KOF sehen einen Grund für die Schwäche in der neuen BIP-Berechnungsmethode, die die Branche «Unterhaltung und übrige Dienstleistungen» neu mitberücksichtigt. In Jahren mit internationalen Fussball-Meisterschaften und Olympischen Spielen profitiere die Schweiz von TV-Übertragungsgebühren. Im laufenden Jahr fehlten solche Grossanlässe.

Ohne diesen Sondereffekt würde die KOF für dieses Jahr mit einem Wachstum von 1 Prozent rechnen und für das nächste Jahr mit 2 Prozent. Die bessere Prognose für 2018 sei nicht zuletzt auf die Fussballweltmeisterschaft in Russland zurückzuführen.

Lichtblick für Industrie

Der Zukunftsoptimismus Sturms fusst auf der robusten Wirtschaftsentwicklung in Europa, den USA und Südostasien in den vergangenen Quartalen. Diese werde in den Jahren 2018 und 2019 anhalten.

Davon profitieren die Exporteure und zwar nicht nur die Parma- und Chemiebranche. «Auch die Industrie wird deutliche Impulse kriegen», sagte Sturm weiter. Die Waren- und Dienstleistungsexporte dürften sich dieses Jahr um 3 Prozent erhöhen.

Exportbeschleunigung erwartet

Für 2018 und 2019 erwartet die KOF gar eine Exportbeschleunigung um 4,8 respektive 3,5 Prozent. Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Produkte steige, weil sich der Schweizer Franken real abwerte.

Der Bausektor wiederum werde angetrieben durch Infrastrukturprojekte. Auch für die Finanzbranche sagte Sturm eine Belebung voraus. Die Konjunkturdynamik soll anhalten: Für das Jahr 2019 geht die KOF von einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent aus.

Spezifische Konjunkturrisiken erwähnte Sturm nicht. Es sei immer noch nicht klar, wo der neue US-Präsident hinsteuere. Aber bisher sei die Suppe nicht so heiss gegessen worden, wie sie gekocht worden sei. Daran dürfte sich laut Sturm nichts ändern.

Kein Aufschwung für Löhne

Der wichtigste Wachstumsbeitrag kommt weiterhin vom privaten Konsum. Bis der Aufschwung aber bei den Arbeitnehmenden ankommt, müssen sie sich gedulden. Im laufenden Jahr erwartet die KOF leicht negative Reallöhne (-0,1 Prozent), für nächstes Jahr sieht es mit einem prognostizierten Plus von 0,2 Prozent beim Reallohn nicht besser aus.

Im letzten Jahr seien die Löhne stärker gewachsen als die Arbeitsproduktivität, gibt Sturm zu bedenken. Das sollte sich nun ändern. Höhere Lohnabschlüsse würden aber wohl erst folgen, wenn die Firmen ihre Margen wieder ausgeweitet hätten.

Auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Aufschwung nächstes Jahr sichtbar werden. Während dieses Jahr die Beschäftigung nur leicht steigt (0,3 Prozent), soll sie laut den KOF-Ökonomen in den Jahren 2018 und 2019 um 0,8 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote dürfte sich von derzeit 3,2 Prozent im nächsten Jahr leicht auf 3,1 Prozent reduzieren.

(sda/cfr)

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