Kaum eine Ökonomie in Europa wächst in diesen Monaten so kräftig wie die Schweizer Wirtschaft. Und geht es nach renommierten Konjunkturforschern beschleunigt sich diese Entwicklung in der Zukunft noch: Nach einem Plus von 1,9 Prozent in diesem Jahr wird das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2014 um 2,2 Prozent zulegen. Damit rechnen die Forscher von BAK Basel in ihrer heute vorgestellten Konjunkturprognose. 

Ein Plus von mehr als zwei Prozent gab es in der Schweiz zuletzt im Jahr 2010. Doch seinerzeit holte die Schweizer Wirtschaft lediglich die schweren Krisenverluste aus dem Jahr 2009 auf. Nun beschleunigt sich das Wachstum ohne vorangegangenen Einbruch. «Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland wird im kommenden Jahr deutlich zulegen», sagte Martin Eichler, Chefökonom bei BAK Basel, gegenüber handelszeitung.ch. Er rechnet mit einem Exportzuwachs von 4,5 Prozent, nach knapp einem Prozent in diesem Jahr. 

Exporte steigen 2014 um rund 5 Prozent

Ähnlich optimistisch geben sich in ihrer ebenfalls heute vorgestellten Konjunkturprognose die Experten der Credit Suisse. Sie rechnen im kommenden Jahr mit einer Verdoppelung der Ausfuhrentwicklung - von 2,0 auf 5,0 Prozent. Hauptgrund dafür sei die Erholung in den wichtigsten Abnehmerländern, allen voran in der Europäischen Union. Die Erholung der Exportwirtschaft dürfte die nur leichte Abschwächung der Binnenwirtschaft überkompensieren, schreiben die Credit-Suisse-Ökonomen. 

Anzeige

Ohnehin rechnen sowohl BAK Basel als auch Credit Suisse mit einer anhaltend starken Binnenkonjunktur: «Das erwartete Plus von knapp zwei Prozent beim privaten Konsum im kommenden Jahr ist im historischen Vergleich hoch», sagte BAK-Chefökonom Eichler.

Credit Suisse: Schweizer Wirtschaft in «Super-Zyklus»

Die Credit Suisse geht davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft derzeit in einer besonders vorteilhaften Position befindet: «Der Super-Zyklus verstärkt sich momentan selber», schreiben die Volkswirte der Credit Suisse in ihrem Wirtschaftsbericht. 

Das derzeit beobachtete Konsumwachstum wirke sich positiv auf das Stellenwachstum aus, welches wiederum zwei wichtige Treiber des privaten Verbrauchs begünstige: die Zuwanderung und die Konsumenten. «Auch der zins- und zuwanderungsgetriebene Immobilienboom schafft neue Stellen, welche wiederum Zuwanderer anziehen - womit sich der Kreis schliesst.» Auch BAK Basel befürchtet keinen aprubtes Ende des Aufschwungs - im Gegenteil: 2015 könnte das BIP dann dank der «voranschreitenden globalen Erholung» sogar um 2,5 Prozent steigen. 

Preise steigen 2014 nach zwei Jahren erstmals wieder

Erstmals seit fast zwei Jahren mit monatlich negativen Raten dürften 2014 dann auch wieder die Lebenshaltungskosten zunehmen. Die Verbraucherpreise dürften nach Einschätzung der Credit Suisse im kommenden Jahr insgesamt um 0,6 Prozent zulegen, BAK Basel veranschlagt 0,5 Prozent. Inflationsdruck herrscht jedoch nicht: «Zu tief ist die Kapazitätsauslastung und zu gering sind die Lohnsteigerungen», heisst es in der Prognose der Credit Suisse.