Die Pharmabranche kann laut einer Studie auch in den kommenden Jahren mit einem starken Wachstum in den Schwellenländern rechnen. Von 151 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 könnte sich der Umsatz mit Arzneimitteln bis 2015 dort auf 296 Milliarden Dollar fast verdoppeln, wie aus dem am Dienstag vorgestellten Pharmabericht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hervorgeht. Steigender Wohlstand gehe mit einer Zunahme von Krankheiten wie Diabetes oder Krebs einher, sagte Olaf Tölke, Pharmaexperte und einer der Autoren der Studie. Zum Vergleich: Für die USA, den grössten Pharmamarkt der Welt, wird für den gleichen Zeitraum nur mit einem Plus von rund sechs Prozent gerechnet.

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Das grösste Wachstumspotenzial sagt Tölke den Medikamenten zur Behandlung von Krebs voraus. Wurden 2011 rund um den Globus noch gut 80 Milliarden Dollar mit Krebsmitteln umgesetzt, könnten es 2018 bereits 120 Milliarden Dollar sein.

Patentschutz ausgelaufen

Entspannung zeichnet sich in den kommenden Jahren bei den Patentabläufen ab. 2012 war der Urheberschutz für viele ehemalige Kassenschlager amerikanischer und europäischer Pharmakonzerne ausgelaufen - was tiefe Bremsspuren in den Bilanzen hinterliess. Billigere Nachahmermittel (Generika) hatten den hochpreisigen Medikamenten den Rang abgelaufen.

Alleine seit Ende 2011 haben acht der weltweit umsatzstärksten Medikamente ihre Exklusivität verloren. Prominentestes Beispiel ist der Blutfettsenker Lipitor, der dem Viagra-Hersteller Pfizer zu Spitzenzeiten einen Jahresumsatz von 13 Milliarden Dollar einbrachte. Doch der Nachschub an neuen, umsatzstarken Medikamenten sei gut, sagt Pharmaexperte Tölke. Der Krebsarznei Yervoy von Pfizer werde ein jährlicher Spitzenumsatz von 2 Milliarden Dollar zugetraut. Etwas höher liegen die Schätzungen für das Krebsmittel Perjeta von Roche und die Multiple-Sklerose-Tablette Gilenya von Novartis.

Plus drei Prozent möglich

Nach einem leichten Rückgang des weltweiten Pharmaumsatzes im Vorjahr erwartet Tölke daher für das laufende Jahr ein Wachstum von gut drei Prozent. Die Bonitätsnoten der Pharmafirmen geraten nach Einschätzung von Standard & Poor's nicht ins Wackeln. Die Analysten bescheinigen fast 20 der insgesamt 24 europäischen Pharmaunternehmen, für die S&P ein Kreditrating erstellt, einen stabilen Ausblick. Dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

(tke/awp)