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Sechs Monate Negativzinsen: SNB ist zufrieden

Fritz Zurbrügg: Das Direktoriumsmitglied ist zufrieden mit dem Negativzins. Keystone

Sechs Monate sind vergangenen, seitdem die SNB Negativzinsen eingeführt hat. Die Geldhüter ziehen eine positive Bilanz.

Veröffentlicht am 18.06.2015

Sechs Monate nach Einführung der Negativzinsen zieht die SNB eine positive Bilanz. Es habe sich gezeigt, dass das Zinsinstrument auch im negativen Bereich wirksam sei. Der Negativzins erfülle aktuell einen sehr wichtigen geldpolitischen Zweck und sollte zur Abschwächung des Frankens führen.

«Wie beabsichtigt hat sich der Negativzins vom Geldmarkt auf den Kapitalmarkt übertragen», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg am Donnerstag vor den Medien in Bern. Der Geldmarkt funktioniere auch unter Negativzinsen gut. Laut Zurbrügg ist die Handelsaktivität am Geldmarkt zwar nach wie vor tiefer als vor der Finanzkrise, sie habe sich aber etwas belebt. So seien etwa die Umsätze am besicherten Geldmarkt, namentlich am Franken-Repomarkt, seit der Einführung des Negativzinses gestiegen.

Zinsdifferenz gestiegen

Mit den über sämtliche Laufzeiten tieferen Zinsen habe der Negativzins auch die traditionelle Zinsdifferenz zum Ausland wieder etwas vergrössert. Diese hatte sich zuvor stark verringert. Die grössere Zinsdifferenz trägt laut SNB dazu bei, dass Frankenanlagen relativ zu Anlagen in Euro und anderen Währungen weniger attraktiv sind.

«Die Zinsdifferenz an den Geld- und Kapitalmärkten ist heute höher, als sie es ohne Negativzins wäre», sagte Zurbrügg. Sie liege aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, da die Zinsen im Ausland während der Finanzkrise stärker gesunken seien als in der Schweiz.

Hypothekarzinsen teilweise gestiegen

Während die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt als Folge des Negativzinses zurückgegangen sind, sanken die Zinsen für Hypotheken nicht im gleichen Ausmass. Für Hypotheken mit längeren Laufzeiten sind die Zinsen laut Zurbrügg im Vergleich zu Anfang Jahr sogar leicht gestiegen.

Der Hauptgrund für diese unterschiedliche Entwicklung liegt laut Zurbrügg darin, dass ein wesentlicher Teil der Refinanzierungskosten der Banken aus den Zinsen auf Spareinlagen besteht. Diese sind nicht wie die Zinsen am Geldmarkt unter null gesunken.

Laut Zurbrügg haben sich Befürchtungen, wonach der Negativzins zu einem starken Rückgang der Hypothekarzinsen und damit zu einem verstärkten Wachstum der Hypothekarkredite beitragen könnten, bisher nicht bewahrheitet.

(sda/ise)

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