Der Franzose Jean Tirole ist im vergangenen Jahr geradezu eine Ausnahme gewesen - denn zumeist ist der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an einen US-Forscher gegangen.

Heute gibt die Schwedische Reichsbank den diesjährigen Preisträger bekannt. Auch dieses Jahr sind wieder mehrere Amerikaner unter den Kandidaten - der deutsche Wirtschaftsforscher Clemens Fuest favorisiert hingegen einen Briten.

Bahnbrechendes zur optimalen Steuer

«Ich würde mir wünschen, dass Anthony Atkinson (Oxford) den Nobelpreis bekommt», sagte Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. «Er hat sich in seiner Forschung mit der Frage beschäftigt, wie die Verteilung von Einkommen und Vermögen sich entwickelt und wie der Staat das Steuer- und Abgabensystem gestalten sollte. Er hat bahnbrechende Arbeiten zur optimalen Besteuerung und zur Messung von Ungleichheit veröffentlicht», begründete Fuest seine Wahl.

Thema: Gegenseitige Abhängigkeit

In Berlin drückt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zwei Amerikanern die Daumen: «Meine Empfehlung sind Maurice Obstfeld und Ken Rogoff für ihre Arbeit und Entwicklung der internationalen Makroökonomie, die zeigt, wie gross die gegenseitige Abhängigkeit von Ländern in der heutigen globalen Welt ist und wie wenig nationale wirtschaftspolitische Autonomie Länder noch haben.»

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Rogoff ist Professor in Harvard, Obstfeld in Berkeley und zugleich Chefvolkswirt beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Preiswürdig seien auch «Obstfelds Arbeit zu Währungskrisen und Ken Rogoffs Arbeit zu Zentralbanken und mit welchem Mandat diese ausgestattet werden sollten, um unabhängig agieren zu können», meinte Fuest. Dies sei «hoch aktuell für den Streit in Deutschland um die Politik der EZB».

Sehen Sie ab 12.30 Uhr live, wer den Nobelpreis für Wirtschaft 2015 erhält:

 

(awp/chb)