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Studie
Sieben Stärken der Schweiz im digitalen Wettlauf

Fahne: Die 4. industrielle Revolution schafft Herausforderungen. Flickr/CC/Jonny Ainsworth

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal. Um mit der technologischen Revolution Schritt zu halten, muss die Schweiz neue Stärken finden. Die Beratungsgesellschaft KPMG hat sieben Ideen.

Von Marc Bürgi
am 15.12.2016

Es ist ein Schlagwort, aber zutreffend: Wir erleben zurzeit die 4. industrielle Revolution. Die Automatisierung und Digitalisierung verändern das Wirtschaftsleben radikal. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft KPMG zeigt Wege auf, wie die Schweiz in dieser neuen Wirtschaftswelt bestehen kann.

Konkret nennt die Studie sieben Gebiete, wo die Schweiz ihre Stärken ausspielen kann – und zeigt, welche Firmen und Institutionen dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

1. Die Schweiz als Zentrum für digitale Arbeit

Die Schweiz könnte eine Outsourcing-Destination werden. Diese Prognose überrascht, schliesslich verlegen Unternehmen heute ihre Arbeiten in Länder mit tiefen Arbeitskosten. Doch durch die Digitalisierung wird die Schweiz konkurrenzfähig, weil immer mehr Tätigkeiten von Computern ausgeführt werden. Als Standort für hochentwickelte Informatiksysteme bietet die Schweiz darum verschiedene Vorteile: Sie verfügt unter anderem über eine hochstehende, stabile technologische Infrastruktur und strenge Datenschutzregeln.

Mit dem Internetkonzern Google und dem Softwareentwickler NVIDIA in Zürich und dem Forschungszentrum von IBM in Rüschlikon kann die Schweiz bereits Vertreter dieser Zukunftsbranche vorweisen. Auch die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne tragen dazu bei, die Schweiz als Zentrum für digitale Arbeit zu stärken.

2. Die Schweiz als Hüter der Daten

Im Digitalen Zeitalter wird die Sicherheit von Daten immer wichtiger: Informationen sind zum wertvollen Gut geworden, das es zu schützen gilt. Hier öffnet sich für die Schweiz mit ihrer Stabilität und ihrer guten technologischen Infrastruktur eine Geschäftschance – sie kann zum Hort für die Datenaufbewahrung werden. Bereits gibt es viele Datenzentren und spezialisierte Anbieter wie DSWiss, Vigiswiss oder Xapo.com.

3. Die Schweiz als Zentrum für Fintech

Die Schweiz ist immer noch einer der grössten Vermögensverwalter weltweit. Dank der  grossen Finanzindustrie hat sie gute Voraussetzungen, wenn es darum geht, Finanzdienstleistungen mit Technologie zu verbinden. Sie könnte sich zum Zentrum für Fintech entwickeln. Die Politik hat dies bereits zum Ziel erklärt: Bundesrat Ueli Maurer will gesetzliche Hürden für Fintech aus dem Weg räumen, und die Region Zug hat sich zum Crypto-Valley ausgerufen. Eine kleine, aber wachsende Fintech-Branche existiert schon, dazu zählen neben vielen Startups auch grössere Firmen wie die Banksoftware-Anbieter Avaloq, Finnova oder Temenos.

4. Die Schweiz als Entwickler von Medizinrobotern

Die Schweiz hat viele Firmen aus der Medizinaltechnik und auch eine bedeutende Pharmaindustrie. Das sind aus Sicht der Studie ideale Voraussetzungen, um von einem Trend zu profitieren: Die Automatisierung des Gesundheitswesens. In Japan werden schon heute Roboter eingesetzt, um ältere Menschen zu betreuen.

Auch in anderen Ländern dürfte wegen der alternden Bevölkerung und steigenden Arbeitskosten im Gesundheitswesen immer mehr Technologie eingesetzt werden. Die Robotik-Abteilungen der ETH Zürich und EPFL Lausanne und Konzerne wie Swisslog oder Hocoma würden in dieser neuer Branche eine wichtige Funktion einnehmen.

5. Schweizer Expertise für die industrielle Steuerung

Die Digitalisierung verkompliziert viele Prozesse: Um die Produktion in Fabriken zu steuern oder die Stromverteilung zu regeln, sind ausgeklügelte Computersysteme nötig. Es gilt, diese komplexe Systeme zu steuern. In der Schweiz hat es verschiedene Konzerne und Institutionen, welche sich mit solchen industriellen Kontrollsystemen auskennen. Die Studie rät der Schweiz, auf der Expertise von diesen Firmen wie ABB, Alstom oder Swatch aufzubauen.

6. Die Schweiz als Nährboden für grosse Ideen

Um die Komplexität der neuen Datenwelt zu meistern, sind Innovationen und kreative Ideen nötig. Die Schweiz könnte das Land werden, wo solche neue Lösungen entstehen – der entsprechende Fachbegriff heisst «Design Thinking». Die Studie rät dazu, ein Netzwerk zu schaffen, in dem sich Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft austauschen können.

Das World Economic Forum (WEF) versucht schon heute, eine solche Rolle einzunehmen. Die Schweizer Universitäten und Hochschulen und die UNO-Stadt Genf mit ihren vielen Nichtregierungsorganisationen könnten zu diesem Netzwerk des kreativen Denkens beitragen.

7. Die direkte Demokratie als Exportschlager

Die direkte Demokratie in der Schweiz hat auch kommerzielles Potenzial: Die Expertise auf diesem Gebiet ist laut KPMG für andere Länder interessant, welche zu einem direktdemokratischen Modell wechseln möchten. Die Studienautoren denken dabei auch an technologische Dienstleistungen: Die Erfahrungen der Schweiz beim elektronischen Abstimmen oder der Digitalisierung der Verwaltung könnten mit anderen Ländern geteilt werden.

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