Die Schweiz gehört nach wie vor zu den wettbewerbsfähigsten Ländern auf der Welt. Allerdings hat die globale Durchschlagskraft der Eidgenossen nachgelassen. Im aktuellen Ranking der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften, welches das Lausanner «IMD World Competitiveness Center» jährlich erstellt, ist die Schweiz gegenüber dem Vorjahr vom 2. auf den 4. Platz abgerutscht.

Eine Schmach muss das Alpenland gegen Singapur einstecken. Die Schweiz liegt nun hinter dem Inselstaat, der wie schon im Vorjahr den 3. Rang belegt. Vom 4. auf den 2. Platz vorgearbeitet hat sich hingegen die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Die unangefochtene Nummer 1 in Sachen Wettbewerbsfähigkeit bleiben die USA.

«Starker Franken belastet»

Für den Direktor des Westschweizer Forschungsinstituts, Professor Arturo Bris, ist klar, warum die Schweiz Federn lassen musste. «Zum einen belastet der starke Franken die hiesige Wirtschaft schwer.» Zum anderen hätten sich Singapur und Hongkong selbst deutlich verbessert. Beides wirke sich auf die globale Position der Schweizer Wettbewerbsfähigkeit aus. Viel Verbesserungspotenzial hat die Schweiz laut Bris nicht. «Sie müsste schon eine Insel werden und sich vom europäischen Kontext lösen.»

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Die USA dürften ihren Spitzenrang nicht so schnell verlieren. «Das Land ist die grösste Volkswirtschaft mit guten Regularien und einem riesigen Export- sowie Importhandel», sagt Bris. Das mache es sehr schwer für andere Länder, die USA zu schlagen. Allerdings könnte Singapur oder Hongkong irgendwann zum grossen Überflieger werden. «Innerhalb der nächsten Jahre dürfte einer der beiden Staaten die USA überholen.»

Singapur als grosser Konkurrent

Singapur ist einer der stärksten und direktesten Konkurrenten für die Eidgenossen. Der Staat hat sich die Schweiz schon vor Jahrzehnten zum Vorbild genommen. Das gilt vor allem für den Finanzmarkt. Zwar ist Singapur immer noch einige Schuhnummern kleiner. Doch die Wachstumsraten sind gewaltig. Schon heute ist der Stadtstaat die Finanzhochburg Asiens. Zum Vergleich: Die Börsenkapitalisierung in Singapur ist zwischen 2007 und 2014 um 130 Prozent gestiegen, im Schweizer Finanzzentrum Zürich lediglich um 25 Prozent.

Ist die Schweiz-Kopie nun besser geworden als ihr Original? Arturo Bris winkt ab. «Singapur ist ein Spezialfall.» Das Land könne man nicht mit anderen vergleichen, da es keine Demokratie habe, ein Inselstaat sei und eine kurze Geschichte habe.

Frankreich weit hinten

Das «Word Competitiveness Ranking» zeigt auf, wie gut eine Volkswirtschaft mit ihren Ressourcen und Kompetenzen umgehen kann, um die langfristige Wertschöpfung zu fördern. Ins Ranking eingeflossen sind über 300 Kriterien. Sie basieren zu gut einem Drittel auf statistischen Indikatoren und zu einem Drittel auf Ergebnissen einer Umfrage mit über 6000 Führungskräften. Analysiert worden sind 61 Länder.

Im Ranking gehört Frankreich zu den grossen Verlierern. Das Land verliert fünf Plätze und belegt den 32. Rang – nur knapp vor Polen und Kasachstan, aber hinter Litauen, Tschechien Thailand und Estland. Zurückgefallen sind auch viele südamerikanische Länder wie Chile (31. auf 35.), Peru (50. auf 54.) und Argentinien (58. auf 59.). Schlusslicht der Rangliste ist erneut Venezuela auf dem 61. Platz.

Produktivität und Effizienz als Treiber

Unter den grössten Schwellenländern ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Während Brasilien (54. auf 56.) abrutschte, verbesserte sich China leicht um einen Platz auf den 22. Rang. Indien verharrt auf dem 44. Platz.

Eine Gemeinsamkeit gibt es bei den Ländern in der Top-10. 9 von ihnen schnitten bei der «Business Effizienz» sehr gut ab. Die Kriterien in dieser Kategorie messen, wie stark ein Land die heimischen Unternehmen beim innovativen, profitablem und nachhaltigem Wirtschaften unterstützt. «Die Analyse des Rangkings zeigt, dass die Top-Länder sich auf das Wesentliche besinnen», sagt Bris. Produktivität und Effizienz seien dabei die grossen Treiber.

Welche Länder sich in den Top-10 befinden, sehen Sie in der Bildergalerie oben.