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Reaktion
SNB-Chef Jordan enttäuscht den Werkplatz

Euro-Franken: Zuletzt schwankte der Kurs zwischen 1,07 und 1,10 Franken je Euro. Keystone

Die Nationalbank belässt die Zinspolitik beim Alten. Für Vertreter des Werkplatzes ist der Entscheid nicht nachvollziehbar, aber auch eine Grossbank spricht von einer verpassten Chance.

Veröffentlicht am 10.12.2015

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund und der Verband der Schweizer Maschinenindustrie Swissmem sind mit dem Nullentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) unzufrieden. Bessere Noten erhält die SNB dagegen von einigen Banken.

Für den Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) ist der Entscheid der Nationalbank, keine weitergehenden Massnahmen zur Bekämpfung der Frankenstärke einzuleiten, «nicht nachvollziehbar». Die bisher ergriffenen geldpolitischen Massnahmen reichten nicht aus, schreibt der SGB in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Mindestkurs statt Negativzinsen

Der Gewerkschaftsbund erwartet von der Nationalbank, dass «sie den Franken endlich auf ein für den Werkplatz tragbares Niveau bringt». Die Wiedereinführung eines Mindestkurses werde einer weiteren Verschärfung der Negativzinsen vorgezogen. Für sich alleine seien diese nämlich nur beschränkt wirksam, heisst es in der Mitteilung.

Ebenfalls wenig erfreut zeigt sich der Verband der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (Swissmem). Grundsätzlich ändere sich mit dem Entscheid der SNB nichts an der derzeit schwierigen Situation der MEM-Industrie, schreibt Swissmem auf Anfrage. Der Schweizer Franken sei nach wie vor massiv überbewertet und damit ein «gewaltiger Wettbewerbsnachteil» für die exportierende Industrie. Swissmem erwartet darum von der SNB, dass sie alle sinnvollen Instrumente nutzt, um den Franken zu schwächen.

UBS: Franken in einer «Komfortzone»

Mehrheitlich positive Kommentare dagegen kommen von den Banken. Die eidgenössischen Währungshüter behielten eine ruhige Hand, was auch richtig sei, schreibt die VP Bank. Da der Franken auf die EZB-Massnahme von vergangener Woche kaum reagiert habe, habe auch kein akuter Handlungsbedarf für SNB-Präsident Thomas Jordan bestanden.

Ebenfalls wenig überrascht zeigen sich die Ökonomen der UBS. Solange der Franken-Eurokurs dank weiterer Interventionen in einer «Komfortzone» zwischen 1,07 und 1,10 Franken gehalten werden könne, dürfte die SNB von weiteren Zinssenkungen absehen, heisst es in einem Marktkommentar der Grossbank. Nur wenn der Franken darüber hinaus aufwerte, seien weitere Zinssenkungen absehbar.

CS: Verpasste Chance

Eine davon abweichende Meinung vertritt die Credit Suisse. Die heutige Nullentscheidung sei eine verpasste Chance, schreibt die Bank. Die SNB hätte nämlich mit einer weiteren Zinssenkung zeigen können, dass sie gewillt sei, den Franken längerfristig zu schwächen.

Als einige von wenigen Banken ist die Credit Suisse im Vorfeld von einer weiteren Zinssenkung durch die SNB ausgegangen. «Es scheint, dass wir die Aussage der SNB, dass die Zinsdifferenz zum Euroraum entscheidend sei, überinterpretiert haben», schreibt dazu die Bank.

(sda/ise/mbü)

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