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SNB-Chef Jordan: «Keine Deflationsspirale»

Die Nationalbank senkt ihre Inflationsprognose für 2015 und 2016 drastisch. Dennoch gibt sich Präsident Thomas Jordan zuversichtlich. Ein Vergleich zur schweren Krise der 1930er Jahre.

Von Mathias Ohanian
am 19.03.2015

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Inflationsprognose am heutigen Donnerstag drastisch gesenkt: Für dieses Jahr rechnen die Währungshüter mit einem Rückgang der Konsumentenpreise um 1,1 Prozent. 2016 dürfte die Inflation mit minus 0,5 Prozent erneut negativ ausfallen. Als Hauptgründe für die deutlich niedrigeren Erwartungen nannte SNB-Präsident Thomas Jordan die Aufwertung des Frankens und den tieferen Preis für Erdöl. Dieser habe sich in den vergangenen Monaten praktisch halbiert, so Jordan.

Kommt es so, wie vom SNB-Chef und seinem Team prognostiziert, dürfte die Schweiz auf Jahressicht erst 2017 wieder eine leicht positive Inflation von 0,4 Prozent sehen. Damit wären die Konsumentenpreise bis dahin fünf Jahre in Folge, von 2012 bis 2016, nicht gestiegen (siehe Grafik unten) – sondern in der Summe wohl um rund 4 Prozent gesunken. Das Minus in diesem Jahr wäre das höchste seit 1950 – also vor 65 Jahren.

Ausgangslage heute besser als Anfang der 30er Jahre

Gegenüber der letzten Prognose im Dezember senkte die SNB nun ihre Inflationsprognose sowohl für dieses als auch das kommende Jahr um rund 1 Prozent nach unten. Die Notenbank ist damit noch etwas pessimistischer als die meisten anderen Wirtschaftsprognostiker in der Schweiz. So rechnen etwa die 20 von der Zürcher Konjunkturforschungsstelle Kof befragten Auguren für 2016 im Schnitt wieder mit einer leicht positiven Inflationsrate.

Trotz der historisch seltenen Ausgangslage gab sich der SNB-Chef vor den Medien vorsichtig optimistisch. Die Lage sei zwar «nicht ideal». Angesichts der erlebten Wechselkurs- und Ölpreisschocks seien vorübergehend sinkende Preise jedoch nicht zu verhindern. Auf mittlere Sicht werde man das Mandat der Preisstabilität – steigende Preise um weniger als 2 Prozent – wieder erreichen. Man erwarte «keine Deflationsspirale, wie wir sie in den 30 Jahren gesehen haben», sagte Jordan. Dort sei das Preisniveau permanent gefallen.

Die Zahlen des Bundes zeigen eindrücklich, wie sich die Lage heute von jener in den 1930er Jahren unterscheidet. Seinerzeit sanken die Preise in der Schweiz über mehrere Jahre – allein von 1931 bis 1933 um jährlich über 5 Prozent, in der Spitze gar fast 8 Prozent.

Von den enormen Rückgängen der 1930er Jahre ist man heute zweifelsfrei weit entfernt. Doch bedeuten sinkende Preise nicht bereits Deflation? Ursprünglich sei der Begriff Deflation «für eine ersthafte wirtschaftliche Störung mit einem Preisniveau, das permanent über lange Zeit fällt» verwendet worden, so Jordan heute. Und eben dies erwarte man bei der SNB nicht. So gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich das Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer wegen der sinkenden Preise verändere.

Deshalb ist eine Deflation gefährlich

Anhaltend negative Inflationsraten sind für eine Volkswirtschaft gefährlich. In Erwartung auf weiter sinkende Preise wächst die Gefahr, dass Unternehmen und Konsumenten abwartender handeln – also Investitionen aufschieben oder weniger konsumieren, weil sie für die Zukunft erwarten, günstiger wegzukommen.

Für den einzelnen Akteur mag das rational und sinnvoll sein, für die Gesamtwirtschaft können die Auswirkungen verheerend sein: Weniger Investitionen und Konsumausgaben können die Konjunktur abwürgen, am Ende steht in der Theorie eine Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit.

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