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Geldpolitik
SNB: «Durststrecke für die Wirtschaft ist unvermeidbar»

SNB: Eine einfache Lösung für die schwierige Situation gibt es nicht. Keystone

Die Schweizerische Nationalbank hat die geldpolitischen Weichen für die kommenden Monate gestellt. Die negativen Zinsen bleiben der Schweiz erhalten, obschon sie Risiken bergen.

Veröffentlicht am 18.06.2015

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik: Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor bei minus 1,25 Prozent bis minus 0,25 Prozent und den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei minus 0,75 Prozent.

Die negativen Zinsen in der Schweiz machten Anlagen in Franken weniger attraktiv und würden über die Zeit zu einer Abschwächung des Frankens beitragen, so die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag. Insgesamt sei der Franken «deutlich überbewertet».

BIP-Wachstum von 1 Prozent

Bezüglich Konjunkturentwicklung hält die SNB an ihrer Prognose fest. Sie rechnet weiter mit einem Wirtschaftswachstum 2015 von «knapp 1 Prozent». Damit positioniert sich die Nationalbank am oberen Spektrum der Prognosen. Das Forschungsinstitut Bak Basel senkte seine Konjunkturprognose für 2015 jüngst von 1,0 auf 0,6 Prozent. Das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) positioniert sich in der Mitte: Es prognostiziert ein Wachstum von 0,8 Prozent.

Die Schweizer Wirtschaft habe sich seit der Aufhebung der Kursuntergrenze im Januar im Wesentlichen so entwickelt, wie es die Nationalbank erwartet hat, meint SNB-Chef Thomas Jordan an der Pressekonferenz. «Wir sind uns bewusst, dass die Wechselkurssituation für die Exporteure, den Tourismus sowie Branchen, die der Importkonkurrenz stark ausgesetzt sind, eine schwere Belastung darstellen.» Im heutigen Umfeld gebe es aber leider keine einfache Lösung. «Eine gewisse Durststrecke für die Wirtschaft ist unvermeidbar.»

Kritik vom Gewerkschaftsbund

Dass die SNB ihre Geldpolitik unverändert belässt, stösst dem Gerwerkschaftsbund (SGB) sauer auf. Der Entscheid sei «inakzeptabel», heisst es in einem Kommentar. Die SNB setze auf die Hoffnung, dass sich der Franken abwerte. Sie selber sei passiv. Nach dem heutigen Entscheid bleibe unklar, welches Ziel die Nationalbank mit welchen Instrumenten verfolge.

Die Nationalbank wehrt sich: Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trage sie der Wechselkurssituation und deren Einfluss auf Inflation und Wirtschaftsentwicklung Rechnung. Die Teuerung erreiche laut SNB-Schätzung im dritten Quartal 2015 mit minus 1,2 Prozent ihren Tiefpunkt. Danach kommt die Wende, 2017 drehe die Teuerung wieder in den positiven Bereich. Bei Bedarf bleibe die SNB überdies am Devisenmarkt aktiv. Der immer wieder gehörten Forderung einer Anbindung des Frankens an einen Währungskorb erteilt SNB-Chef Jordan ebenfalls eine klare Absage: «Ein Währungskorb löst das Problem der Frankenstärke nicht», ist er überzeugt.

Franken legt leicht zu

Die unveränderte Geldpolitik hat dem Franken zunächst leicht Aufwind gegeben. Ein Euro kostete am Donnerstag nach der SNB-Mitteilung um 9.30 Uhr noch 1,0450 Franken. Kurz zuvor war er zu 1,0470 Franken gehandelt worden. Der Dollar sank zum Franken auf 0,9191 von 0,9216 Franken. Mittlerweile hat sich der Euro-Franken-Kurs wieder normalisiert.

Auch der SMI reagierte anfänglich mit einem leichten Kurssprung nach oben. Danach sackte die Börse ab. Der Schweizer Leitindex steht vor dem Mittag mit 1,8 Prozent im Minus. Das liegt aber nicht an der Geldpolitik der SNB. Vielmehr verunsichert die Situation um den Schuldenstreit mit Griechenland die Anleger. Dabei bekräfigte das SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg, dass die Nationalbank in einem «schlimmen» Griechenland-Szenario «sicherstellen» werde, «dass die monetären Bedingungen adäquat sein werden».

(awp/ise/ama)

Hier die wichtigsten Nachrichten aus Schweizer Wirtschaft und Politik seit der Aufgabe des Franken-Mindestkurses am 15. Januar:

 

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