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SNB fordert höheres Eigenkapital für Grossbanken

Die SNB sieht bei den Grossbanken indirekte Risiken aus der starken Vernetzung im Euroraum. (Bild: Keystone)

Die Nationalbank bleibt bei ihrer Nullzins-Politik und versorgt die Wirtschaft weiter grosszügig mit Liquidität. Für Aufsehen sorgte indes die verschärfte Tonart gegenüber den Grossbanken.

Veröffentlicht am 14.06.2012

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) fordert die beiden Schweizer Grossbanken UBS und CS auf, ihr Eigenkapital weiter zu stärken. Obwohl es Fortschritte gegeben habe, sei das verlustabsorbierende Kapital bei beiden Instituten angesichts der hohen Risiken an den Finanzmärkten unter dem notwendigen Niveau, schreibt die hiesige Notenbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht.

Sie geht in ihrem Hauptszenario zwar von einer graduellen Verbesserung der allgemeinen Situation über die nächsten 12 Monate aus, schätzt die Risiken für eine markante Verschlechterung aber als weiterhin hoch ein. Und unter einem solchen Szenario könnten die Verluste substantiell sein.

Die Wichtigkeit der Grossbanken für die hiesige Wirtschaft und für die Finanzstabilität erfordere es, dass diese ihre Widerstandsfähigkeit weiter verstärken, so die SNB. Der Credit Suisse wird gar nahegelegt, noch im laufenden Jahr ihr verlustabsorbierendes Kapital «signifikant» zu erhöhen.

Der UBS empfiehlt die SNB, den Eigenkapital-Aufbau fortzusetzen und dabei speziell bei der Dividendenausschüttung weiter Zurückhaltung zu üben. Die SNB sieht bei den Grossbanken weniger direkte Risiken aus Engagements in den Peripheriestaaten, sondern indirekte aus der starken Vernetzung der Grossbanken im Euroraum.

Werte gemäss Basel III schon jetzt relevant

Eine Verbesserung der Kapitalsituation sei nicht nur vom Stabilitätsstandpunkt aus wichtig; die Banken würden damit auch ihre Wettbewerbsposition im Kerngeschäft Vermögensverwaltung verbessern, und das generelle Vertrauen in den Markt würde angehoben.

Die Banken sollten zudem ihre Transparenz hinsichtlich der eigenen Widerstandsfähigkeit erhöhen, meint die SNB, um damit eine ungünstige Einschätzung durch Marktteilnehmer in Phasen von Stress an den Märkten zu vermeiden.

Entsprechend sollten die beiden Banken laut SNB bei ihrer Quartalsberichterstattung jeweils bereits jetzt auch ihre Eigenkapitalwerte nach Basel III bekannt geben - wie die UBS dies bei den letzten Quartalspräsentationen bereits getan habe.

Im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich

Die SNB hält diesbezüglich fest, dass das Niveau des verlustabsorbierenden Kapitals gemessen an den Standards von Basel III im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich sei, insbesondere bei der CS. Zwar gelte dieser Standard erst ab 2019, für die Einschätzung der Widerstandsfähigkeit der Banken sei er aber bereits jetzt der Benchmark.

Der Unterschied zwischen dem neuen Regime und dem alten (Basel 2.5) sei vor allem bei den Schweizer Grossbanken enorm. So seien etwa per Ende März 2012 die Tier-1-Ratios gemäss Basel 2.5 für die CS und die UBS bei 15,6 Prozent bzw. 18,7 Prozent gelegen, während sie unter dem neuen Regime Basel III nur noch auf 5,9 Prozent bzw. 7,5 Prozent kämen.

Bemängelt wird von der SNB ebenfalls der weiterhin hohe Leverage trotz des Abbaus von risikogewichteten Aktiven (RWA) in jüngster Zeit. Es sei nämlich unklar, so die SNB, in welchem Ausmass der RWA-Abbau auch zu einer effektiven Verringerung der ökonomischen Risiken geführt habe.

Im Verhältnis zur Bilanzsumme betrug das verlustabsorbierende Kapital bei der CS rund 1,7 Prozent und bei der UBS 2,7 Prozent. Die SNB betont, dass dies ungenügend sei, habe doch etwa die UBS in der letzten Krise Verluste von über 3 Prozent der Nettobilanz erlitten.

Antizyklischer Puffer wegen Hyporisiken

Die SNB befasst sich in ihrem Stabilitätsbericht aber nicht nur mit den Grossbanken, sondern auch mit den inlandorientierten Banken. Hier sieht die SNB weiterhin die Risiken vor allem im Hypotheken- bzw. Immobilienmarkt.

Die durchschnittliche Kapitalausstattung der inlandorientierten Banken sei zwar auf einem historischen Höchststand, heisst es im Bericht. Allerdings seien die Unterschiede - auch in Bezug auf Risikoneigung - zwischen den einzelnen Instituten relativ gross.

Eine Anzahl dieser Banken - darunter auch einige grosse Institute - hätten einerseits relativ geringe Kapitalpuffer und seien gleichzeitig hohen Zinsänderungs- und Kreditrisiken ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund und angesichts der steigenden Risiken im Häusermarkt sieht die SNB Bedarf für Korrekturmassnahmen.

Sie begrüsst entsprechend die vom Bundesrat vor kurzem beschlossenen und bekannt gegebenen Gegenmassnahmen, welche unter anderem einen geringeren Anteil der Pensionskassengelder für Hypotheken vorsehen oder auch sogenannte makroprudentielle Massnahmen wie den antizyklischen Kapitalpuffer von bis zu zusätzlichen 2,5 Prozent Eigenkapital.

Puffer könnten ungenügend sein

Wie die SNB schreibt, sollen die makroprudentiellen Massnahmen kurzfristig vor allem auf den Hypothekar- und Immobilienmarkt fokussiert sein. Die Aktivierung eines solchen Puffers wäre dabei laut SNB eine temporäre Massnahme für den ganzen Sektor.

Bei einigen der Inlandbanken bestehe aber Korrekturbedarf nicht nur im mittelfristigen Zeitraum, sondern kurzfristig, da sich die Situation in einem negativen Szenario möglicherweise schnell ändere. Laut SNB könnten die Puffer in einem solchen Fall ungenügend sein, um die möglichen Verluste aufzufangen, so dass es hier auch mikroprudentielle Massnahmen auf Stufe Einzelinstitut brauche.

(aho/chb/awp)

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