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SNB: Nach der Franken-Grenze der Minus-Zins?

Grosse Pläne: Die IWF-Chefin Christine Lagarde unterstützt die SNB-Politik. Keystone

Der Internationale Währungsfonds empfiehlt den Schweizer Währungshütern, ihre unorthodoxe Politik fortzusetzen. Der Deflationsdruck könnte zunehmen. Kommt es so, fordert der Fonds drastische Mittel.

Von Mathias Ohanian
am 24.03.2014

Der Internationale Währungsfonds stärkt der Schweizerischen Nationalbank im Kampf gegen einen zu starken Franken den Rücken. Der IWF empfiehlt der Notenbank, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro beizubehalten, wie das Finanzministerium im Anschluss an den jährlichen Länderbericht des IWF am Montag mitteilte. Die geldpolitische Lage habe sich gemäss Einschätzung des Fonds zwar entspannt.

IWF: Negativer Einlagezins bei Deflationsdruck

Dennoch könnte ein erneuter Anstieg des Schweizer Franken schnell zu einem Deflationsdruck führen. Erst in der vergangenen Woche hatte die SNB zum wiederholten Male ihre Inflationsprognose gesenkt. Für dieses Jahr erwartet sie nur noch stagnierende Preise. Spätestens da war klar geworden, dass der Ausstieg der SNB aus ihrer unorthodoxen Geldpolitik etwas später als bislang geplant eingeleitet werden dürfte.

Bei zusätzlichem Deflationsdruck könnte die SNB dem IWF zufolge einen negativen Einlagezins auf das Geld verhängen, das die Geschäftsbanken bei ihr parken. Faktisch müssten Banken also eine Gebühr an die SNB zahlen, wenn sie ihre überschüssigen Mittel bei der Notenbank hinterlegen wollen. Ein solcher Strafzins soll die Institute anregen, weniger die Dienste der Notenbank in Anspruch zu nehmen und stattdessen mehr Kredite an die Unternehmen in der Realwirtschaft zu vergeben.

Schwedische Reichsbank experimentierte mit Negativzins

Das Mittel negativer Einlagezinsen wäre nach der Franken-Grenze ein weiteres ungewöhnliches Instrument in der Schweizer Geldpolitik. Zwar wird dieser Schritt in der Fachwelt häufig diskutiert, erstmals vom deutschen Ökonomen Silvio Gesell im späten 19. Jahrhundert. Allerdings haben damit erst wenige Notenbanken experimentiert.

So senkte die Schwedische Reichsbank in der globalen Finanzkrise im Juli 2009 den Zins für Übernachteinlagen auf minus 0,25 Prozent, um die Banken dazu zu bringen, Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Damit sollte die Inflation angetrieben und die schwedische Krone geschwächt werden. Das wäre auch das Ziel für den Schweizer Franken.

Laut «Financial Times» war die Reichsbank sogar die erste Notenbank überhaupt weltweit, die den Einlagezins in den negativen Bereich setzte. Die schwedische Wirtschaft wuchs nach dem heftigen Einbruch 2009 im darauffolgenden Aufschwung kräftiger als die meisten anderen entwickelten Ökonomien rund um den Globus: Die Konsumausgaben legten 2010 um knapp vier, 2011 um über zwei Prozent zu.

Notenbank braucht mehr Eigenmittel

Zudem riet der IWF der SNB zu weiteren Anstrengungen, um die Eigenmittel der Notenbank zu stärken. Er empfiehlt auch weitere Massnahmen zur Stabilisierung der Schweizer Bankenbranche. Der Verschuldungsgrad der grossen Geldhäuser solle weiter verringert werden.

Zudem regte der Fonds an, die Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden weiterzuführen, um die grenzüberscheitende Abwicklung von Grossbanken sicher zu stellen, ohne auf Steuergelder zurückgreifen zu müssen. Trotz eines Bilanzabbaus sind die UBS und die Credit Suisse gemessen an der Schweizer Wirtschaftskraft immer noch überdurchschnittlich gross

(mit Material von reuters)

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