Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im vergangenen Jahr einen Rekordverlust eingebrockt. Nach vorläufigen Zahlen stand ein Minus von 23 Milliarden Franken (21 Milliarden Euro) zu Buche, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Ihre Eigentümer – wie der Schweizer Bund und die Kantone – sollen für das vergangene Jahr dennoch eine Ausschüttung von einer Milliarde Franken sowie eine Dividende von 15 Franken je Aktie erhalten.

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Die Ergebnisentwicklung der Notenbank hängt massgeblich von ihrem milliardenschweren Fremdwährungsportfolio ab. Als die SNB im Januar 2015 überraschend ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgab, gewann der Franken im Vergleich zu anderen Währungen sprunghaft an Wert. Das brachte der Notenbank massive Verluste auf ihre vor allem in Euro und Dollar gehaltenen Reserven ein: Nach dem ersten Halbjahr lag das Minus bei gut 50 Milliarden Franken. In der zweiten Jahreshälfte konnte die SNB dank einer Abschwächung des Franken diese Verluste nun teilweise wieder abbauen. Aktuell kostet ein Euro 1,0867 Franken.

Überraschende Ausschüttung

Mit dem überraschenden Ende des Mindestkurses hat die SNB viele Kritiker auf den Plan gerufen. Die Ausschüttung dürfte nun zumindest die Eigentümer zufrieden stimmen. Denn sie komme überraschend und dürfte zu einer Entspannung der kantonalen Finanzen beitragen, hatten die Analysten der UBS erklärt. Die meisten Kantone hätten nicht mit einem solchen «verspäteten Weihnachtsgeschenk» gerechnet. Möglich wird die Auszahlung dank hoher Rücklagen der SNB: Diese sogenannte Ausschüttungsreserve lag bei 27,5 Milliarden Franken.

Ihren bislang höchsten Verlust häufte die SNB mit 19,2 Milliarden Franken 2010 an. Auch damals hatten Wechselkursverluste zu dem Minus geführt. Details zum vergangenen Geschäftsjahr will die SNB im März vorlegen.

(reuters/me/gku)